10-Wort-Spiel, mystisch

Die Begegnungen des Ichs mit neuen Positionen der Zwischenmenschlichkeit, entwickelt durch den Wiederanpfiff der zweiten Seelenhälfte, entwickelten eine Eigendynamik, triefend vor Dynamik, stählern vor Information, die sich eine Matrix, eine mehrdimensionale Tabelle erschufen, sie hin und her schoben, und die doch in nichts anderem gipfelten als in nie enden wollendem Suchen.

Add comment 26. April 2008

Iu Gränt

In einem kleinen Ort, in dem ich das Glück hatte, groß zu werden, sprachen die Leute eine gar seltsame Sprache. Als Zugezogener fühlte ich mich zwar immer ein bißchen außen vor, was mich letztlich aber auch nicht davor bewahrte, die seltsame Sprache bis zu einem gewissen Grad zu adaptieren. Das macht sich bspw. nach dem dritten Bier / zweiten Bembel bemerkbar. Ich bitte also um Nachsicht, denn ich habe das folgende Dialogfragment nüchtern und im Wissen um meine Unzulänglichkeiten ausgesponnen. Aber wie sagte Adalbert N. Onymus schon: “Würden wir so lange warten, etwas zu tun, bis wir es perfekt können, kämen wir nie dazu, irgend etwas zu tun” - oder Hugh Grant, als er einmal auf der Straße mit jemandem zusammenstieß: “Sorry”.

Willsd du etwa behaupte, isch wisst net, wie de Iu Gränd aussieht?

Ei du blind Worschdbrod, du tädsd doch net emol dei eischen Spieschelbild werrererkenne wenns dir net im Bad begeschne däd.

Komm mach emol halblang, gell. De Iu Gränt is nämlisch net ärschendwer. Des is e Schauschpieler, un zwar e ganz grose.

Un du weist des nadierlisch ganz genau, net nur wie der aussehe dud…

… genau, nämlisch aach wie der sonsd so is.

Wie, wie der sonsd so is?

Eia, sonsd so äbe.

Wills du mir etwa aach noch verzähle, du tätsd den privat kenne oder was?

Naja, so rischdisch nadierlisch net, abbä so e bissje scho, wenn de weist, was isch moi.

Ne, des waas isch jetz grad emo net.

Aja, gut. (Senkt die Stimme verschwörerisch) Isch hatt mo was mit dämm.

(Stutzt, dann lachend) Ja sischä hottsd du was mit de Iu Gränt, sischä, sischä.

Ei, wenn ischs der doch saache tu!

Un wie hasde den getroffe, de Iu?

Inner Kneipe, so.

Un so e bissje dick isser aach gewäse, gell?

Ai, isch mein, in dem soi Alter is des ja jetz net so ungeweenlisch. Mer zwaa mer werre ja als aach net jinger, gell?

Un jetz saach mer noch, hot er ach des alberne käppsche uffghabt, so in gelb und midem dumm Spruch drauf?

Ei, woher waast dann du des alles? Is der dir aach schon emol ibber de Wesch gelaafe?

Des waa net der Iu Gränt, du Babbsack, des waa de Dieter, die aal Sau. Der machd doch jede oa wennse nur bleed genuuch is.

Och kumm, jetzt wersde awer unkridisch. Des waa de Iu, isch maan, er hads mer schließlisch selbst gesaachd.

Ach. Wase Beweis. Und hot er aach daitsch gekennt?

Freilisch.

Aia, wie, aia, freilisch – maansd du de Iu däd daitsch kenne? Isch sachs der, isch kenn den, des war de Dieter, ganz klaar.

Da siehstes emol.

Ai, was dann?

Wos der fire guude Schauschpieler is, de Iu. Un des in soim Alder!

3 comments 23. April 2008

Die Ruhe in der sich das unsichtbare Seil strafft und zu zerreißen droht

Der Regen tropfte bedröppelt durch die halbleere Nacht, und den Halbmond hatte ich auch schon ganz versoffen. Draußen schliefen Autos leise hupend miteinander und ich saß hier drin, inmitten eines halben Päckchens Kippen, das ich in Rauch aufgelöst hatte. In einem Wort – es war alles ganz furchtbar halb, und ganz schrecklich überhaupt. In dieser Stimmung, und in dem Moment als ich apathisch einen Eiswürfel aus dem ansonsten leeren Glas in den zuvor halbvollen Aschenbecher rutschen ließ, traf mich Stefffi an. Stefffi, die wesenlose Schönheit mit drei F. Sie erschien selbstreferentiell in meiner Wohnung, doch statt mich zu trösten ignorierte sie mich zunächst eine Weile, was mich ein bisschen von meiner Melancholie ablenkte.

Dann begab sie sich in die Küche und warf dort ein paar Dinge aus dem Kühlschrank, die Gurken, den Käse, ein Bier. Ich hörte ihr dabei zu und seufzte vor mich hin, seufzte ein bisschen lauter, als sie zurückkehrte. Was ich zerschlagen konnte, hatte ich längst zerschlagen. Was kümmerte mich mein Kühlschrankinhalt. Umso erstaunter war ich, als sie unstet an mir vorbeidiffundierte und dabei eine Gurke vor sich herschubste. Ich hustete ein bisschen und bot ihr, während sie aus dem Fenster blickte, eine Zigarette an. Sie ignorierte mich weiterhin, was mich nicht erstaunte, also zündete ich mir die Zigarette selbst an. „Stefffi“, sagte ich schließlich, weil mir sonst nichts einfiel und das Gefühl hatte, dass sie mir das Gefühl geben wollte, es müsse langsam etwas gesagt werden, und zwar von mir. Doch sie drehte sich nicht um. „Hömma“, setzte ich neu an, „Ich habs am Splittern gehört, dass es mein vorletztes Bier war, und am Klatschen, dass es der Käse… aber die Gurken, Stefffi, die Gurken hatt ich ganz vergessen. Danke, dass du mich erinnert hast. Die waren längst fällig. Danke, dass du mich an diesen Teil meines Lebens…“ Sie wirbelte herum, so zwei, drei Mal, und blickte mich, glaube ich, eindringlich, zumindest aber durchdringend an und sagte: „Hömma mich nicht, und lass den Unsinn. Wo ist der Martini?“ Vor Erstaunen über die Gesprächswendung antwortete ich wahrheitsgemäß: „In mir drin“.

Damit war unser Gespräch nach nur zweieinhalb Sätzen abrupt tot, oder besser, unsere Interessen schienen auf einmal verdammt inkongruent zu sein. Um Stefffi zu beruhigen bot ich ihr ein Bier an (das letzte) doch sie erwiderte nur: „Ceno cetmarpe. Du bietest mir dein Bier an? Trinks selbst. Deine Umgebung ängstigt mich. Du auch. Ich brauche Alkohol mit Stil, keine Sprudelgerste. Und wieso unterstehst du dich zu unterstellen, dass Selbstreferentialismen nur unter der Voraussetzung materieller Existenz überhaupt, oder im luftleeren Raum der Logik theoretisch denkbar seien? Mir weder das eine noch das andere zuzugestehen macht dich zu einem Paradoxenschusterer sonder gleichen. Überleg es dir noch mal. Ob du das wirklich willst, meine ich. Ansonsten leck mich und sieh zu, dass ich hier Martini bekomme.“ Ich saß benommen, senkte den Kopf und sah zu wie sich der Eiswürfel im Aschenbecher schmolz.

Dann aber gab ich mir einen Ruck der mich vom Stuhl hob, tappte durch das Zimmer und angelte hinter den Möhren, die hinter dem Plattenspieler lagen, eine zweite Flasche Martini hervor, die ich dort einmal mit Bedacht deponiert hatte. Öffnen und Einschenken waren eins, und ich näherte mich Stefffi, der gewürzessigsauren Gurkenspur auf dem Boden folgend. Ich erinnere mich mit Erstaunen an das Gefühl gleichzeitig umarmt, möglicherweise geküsst zu werden, und im selben Moment von der selben Gestalt Glas und Flasche aus der Hand genommen zu bekommen. Als ich auf meinen Stuhl sank hatte ich jedenfalls einen leichten Martinigeschmack auf den Lippen und ein lavendelfarbenes Kribbeln im Hals.

Das Kribbeln blieb, im Gegensatz zu Stefffi, die ihren Besuch gegen ihre Abwesenheit eintauschte indem sie durch irgendwelche Wände oder Fenster diffundierte und mich schneller als erwartet ihrer Gegenwart enthob. Langsam, wie die Erinnerung an einen absurden Traum, sickerte die Erkenntnis in mein Bewusstsein zurück, dass die Welt, ja, die Welt im Allgemeinen und meine im Besonderen, eine ganz schreckliche, eine ganz halbe war. Das hatte ich fast vergessen. Es hatte aufgehört zu regnen.

1 comment 21. April 2008

Potentielle Weisheiten träger Hochsommernachmittage

Das Eishörnchen mich konisch dünkt
weil sichs nach unten hin verjüngt.

3 comments 16. März 2008

Eine verdammt kurze Kurzgeschichte

„Du wirst gegen dich nicht gewinnen“, sagte der blaue Fleck auf meiner Stirn zu mir, so, als ob die Hängematte und Madame Schwerkraft nichts damit zu tun gehabt hätten.

5 comments 12. März 2008

Wat Marianne so macht

Die Liebe flog in mein Fenster
Ich bekam einen ziemlichen Schreck
Doch das Glas blieb heil und mit Ajax
Hatt’ ich sie schnell wieder weg.

Add comment 10. März 2008

Ich bin blü

Ich bin blü. -Du bist was?
-Blü bin ich. -Was ist das?
-Das ist Englisch für betroffen,
melancholisch und besoffen.
-Blue, meinst du, Idiot, nicht blü.
-Blue, kein Umlaut? –Jes, dats trü.

Add comment 1. März 2008

Das Skeletttier

Das Skeletttier rief, skelettier mich!
Und es lachte ganz possierlich
weil es ja schon skelettiert -
da habe ich ihm eine geschmiert.

3 comments 24. Februar 2008

Die Tröten

Dann stellten sich die Tröten in Reih und Glied auf und begannen das schaurige Spektakel. Ich bin hui, du bist pfui, wir sind Störche, ihr Grenouilles, was, wie, wer, wo, ach, am Arsch. So ging das, fort und fort, und fort, und die Tröten machten ganze Arbeit. Am Ende lag die kleine Mauer eilig errichteter Probleme in Trümmern und alle waren froh, dass sie zu den Guten gehörten. Dann begann der Tanz, und ein jeder verbarg seine Maske hinter der Maske, einer, die er aus den Bruchstücken des Zerrspiegels seines ich und bestem Knochenleim selbst gefertigt hatte.
Die Ansprache.

Lasst uns also, hier im Reigen,
innehalten und still schweigen
für die Leute, die verstorben.
Die sind tot. Allein, die Sorgen,
bah, die ließen sie uns hier
Also: spiel, Klavier! Und Bier,
lasst es rinnen, lasst es fließen,
lasst die Augen uns verschließen
Morgen ist ein schöner Tag
alles wird, wie sagt man, gut.
Wenn der liebe Herrgott mag –
er mag. Und wir sind frei von Schlud.

Kreisel, durch die Kraft ihrer Rotation aufrechterhalten, tanzten über das abgewetzte Parkett und langsam erstarben die Lichter im aufziehenden Dunkel. Die Tröten hatten gegnerlos gewonnen.

Was gut werden konnte, wurde gut. Der Rest ist bekannt.

Add comment 24. Februar 2008

Rana

Die Zwiebel lag in Scherben. Kein Kinogänger würde sich seiner erbarmen. Die Freunde des seichten Geschmacks trugen schwarz am Tag als Jürgen Fliege starb. Und Drews. Der Kräuterlikör war auch schon ganz bitter. Und schwarz. Und voll davon waren seine Trinker, den dunklen Abgründen entgegen, die in der Dunkelheit schwach leuchteten, da sie weniger dunkel als die Dunkelheit waren. In der Stille des Sturms zündete sich Herkules eine Zigarette an und der Apfel auf seinem Kopf wackelte dabei leicht. Kein Rambo würde sich seiner erbarmen. Rambo trug schwarz am Tag als der Freund des seichten Geschmacks starb, als die Kinogänger den helldunklen Abgründen entgegen flogen, auf einer lichten Wolke unendlichen Schwachsinns und brezelförmiger Oxymora. Schwarz und bitter stand die Stille im Sturmaugenring, umgeben von geschmacklosem Wirbeln. Freunde fand an diesem Tag keiner, doch wenigstens gab es keine neuen Feindschaften. Die Gräben waren tief genug, und schon begann man sie zuzuschütten mit denen, die beim Versuch sie zuzuschütten noch vor kurzem von ihnen zerbrochen worden waren. Hell strahlte kein Stern, aber der neue Himmel troff vor lichtem Mittelmaß. Und keiner trug mehr Lampen. Sissi schnäuzte sich spitz in ein Schnupftuch und umarmte anschließend Argus, der sie zuvor beobachtet hatte. Kein Freund würde sich ihrer mehr erbarmen. Die Zwiebel lag in Scherben.

Add comment 7. Februar 2008

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