Kleincineasmus

10. März 2007 at 16:00 (Unspezifisch, Zelluloid)

Der kleine Flötenspieler ist also Gewinner des „Mobile Film Festivals“ wie SpOnline zu berichten weiß. Nachdem ich beim ersten Überfliegen der Überschrift und des Spoilers zunächst an einen kleinen Virtuosen in Windeln und Wolfi-A.-Format gedacht hatte, entpuppte sich das ganze schnell als eine Video-Ton-Montage im Pixelschleuderformat. Nun fragt sich der mehr oder weniger interessierte Leser unwillkürlich: wie schlecht muss ein Mobile Film Festival eigentlich sein, dass sich sogar Spiegel Online nicht entblödet darüber zu schreiben? Was zum heiligen Ringtone ist das wieder für ein künstlich aufgebauschter New Media Hype mit Unterstützung der Massenmedien? Beim Ausdruck „Film Festival“ denkt der Otto-N-Leser ja zunächst an Cannes oder auch an goldene Bären, Rehkitze (ach nee, das war was anderes) oder meinetwegen auch an vergoldete Dildos mit Überlänge, also an Glanz, Glamour und Gunst, pardon: Kunst. Wie viel von den dreien in einem ca. einminütigen Format auf ca. 6 cm² mit Mono-Frontal-Blech-Sound, Laiendarstellern und anderen Kleinkindern in der Hauptrolle wieder zu finden sein wird, kann man sich wohl an den Füßen abzählen. Wenn man denn schon Zählen kann. Und dieses „Festival“ soll nun auch nach Deutschland kommen? Warum? Ein Blick auf die „Partner“ zeigt: Samsung, Skoda, msn, usw., nicht zu vergessen SpOnline… Doch bleiben wir auf dem Boden. Es freut mich zwar, wenn es demnächst heißt: „Dieser Klogang wurde ihnen präsentiert von…“, aber um die zweifelsohne berechtigt notwendige finanzielle Unterstützung hervorzuheben und die damit verbundenen finanziellen Interessen der Sponsoren zurückzustellen, komme ich doch noch einmal auf den Festivalgedanken an sich zurück. „Ein Festival ist eine Veranstaltung, bei der mehrere Künstler auftreten, häufig über mehrere Tage mit zusätzlichem Programm. Im Bereich der sog. gehobenen Kultur, insbes. Musik und Theater, werden Festivals auch oft Festspiele genannt.“, weiß Wikipedia zu berichten. Das hieße dann also, dass Filme auf Filmfestivals mit gehobener Kultur soviel gemeinsam haben wie Britney Spears mit Haarverlängerung – sonst müsste es ja „Filmfestspiele“ heißen. Unter „Flimfestival“ steht dann auch nicht mehr viel über Künstler. Genauer gesagt ist das Wort „Künstler“ gar nicht, das Wort „Kunst“ ganze drei Mal im recht langen Artikel erwähnt. Dafür ist die letzte Erwähnung der Verweis auf den Artikel „Filmkunst„. Na schön. Aber wie komme ich überhaupt darauf, dass es hier um Kultur gehen könnte? Weil der erwähnte Artikel bei SpOnline unter der Rubrik „Kultur“ einsortiert war, deshalb. Übrigens fördert eine kleine Suche nach „Filmfestspiele“ bei beliebigen Suchmaschinen im Wesentlichen die Berlinale, Cannes und Venedig zutage. Besteht also noch Hoffnung? Ich bin jedenfalls dankbar, dass mein Handy weder eine Kamera hat noch Filme abspielen kann. Fazit? Wenn die intervernetzten Gesellschaftsfraktionen ihre Selbstverwirklichung via Youtube mit Handykameras vollziehen und das dann von Industrie und Medien im Rahmen eines „Festivals“ institutionalisiert gefördert wird, kann man sich nur noch leise lächelnd an den Kopf greifen und hoffen, dass es bald vorbei geht.

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