Kaffee und Kuchen

2. April 2007 at 22:23 (Lieblinge, Spezifisch)

Herbert, Andrea, Lucas, Claudia und ein Pianist.
Auta„Wir müssen das Unglück am Bürzel packen und zurückschleudern in seine unheilige Dimension des fatalen Vergessens, diesen flattrigen Raben nachtschwarzer Verdammnis, diese ungückselige Seuche niederer… niederer…“ Herbert rang nach Luft und Worten. Der Ausbruch hatte nur kurz gedauert und seine Kraftreserven scheinbar weitgehend erschöpft. Er verknotete seine eben noch in weit ausholenden Gesten geschwungenen Hände ineinander, stotterte einige Silben und fiel dann blass, aber sichtbar erleichtert in seinen Sessel zurück. Dabei stieß er mit dem Knie an den niedrigen Tisch und das Kaffeegeschirr klirrte kurz und hässlich.

„Möchtest du noch einen Kaffee, Schatz?“, fragte Claudia mütterlich, aber Herbert starrte nur auf die Kaffeekanne, was Claudia schließlich als Zustimmung zu werten schien. Sie schenkte nach. „Noch ein Stück Erdbeertorte?“, wandte sie sich dann an Andrea. Die hagere Andrea drehte langsam den Kopf und schob mit ihren ältlichen Händen den Vorhang schwarzer Haare, die ihr Gesicht verschleiert hatten, auseinander. Sie blickte Claudia und den bereits neben der Kuchenplatte schwebenden, silbern glänzenden Tortenheber an. Leise, mit monotoner, geräuschloser Stimme begann sie zu sprechen.

„Das nicht, das ist es nicht, das hilft nicht weiter, hilft nicht, nichts hilft weiter, nichts, gar nichts. Verstrickt wie kleine Kücken im Netz, nichts, das ist es, wir werden den Mond heben und darunter tanzen, allein, wir alle, wie nichts werden wir auch den Marmor sehen, den schwarzen, glatten, kalten Marmor, wir armen Kücken unter dem Mond, mit Kerzen, so weiß wie der Tod.“ Andrea blickte an Claudia vorbei und der Vorhang fiel. Claudia indes legte ein großes Stück des frischen, mit saftigen Erdbeeren belegten Kuchens auf Andreas Teller.

„Genug!“, stöhnte Herbert, das Klavier nicht aus den Augen lassend, „Das ist genug… Ihr Heerscharen unglückseligen Verderbens, ihr Liederspieler des Todes, ihr Motten des Nachtlichts, was glaubt ihr, was ihr tut? Haltet ein, das Bollwerk steht doch noch, ihr mit Blindheit Geschlagenen, ihr Räuber der Seelen, ihr, zur niedersten Hölle fahrt, in der siebenten Kammer des siebenten Schreckens erbleichet im Schatten, ihr…“, Herbert keuchte, indes der Pianist zurückkehrte.

„Die Loreley“, sagte er nur, drehte der Gesellschaft den Rücken zu und begann zu spielen, sang aber nicht. „Genau wie früher“, sagte Claudia als die Melodie begann. „Früher, Kinder, müsst ihr wissen, da waren wir oft unterwegs. Das war immer lustig, damals, auf Landgasthöfen waren wir, nicht wie heute immer nur im Café. Wir jungen Schwestern hatten den Valium-im-Kaffee-Trick, und dann gings ab ins Heu, ja, das war fein. Noch etwas Tee, Andrea? Nein? Ach komm, sei artig. Brav.“ Lucas, der seit Minuten in die Leere der eigenen, hohlen Hand gestarrt hatte, schwieg dazu.

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2 Kommentare

  1. Scheibster said,

    Schönes Fotowerk!

    Und wenn ich einen konstruktiv-kritischen Wunsch äußern darf, dann wünsche ich mir Absätze in die Texte. Die sind nicht nur bei Frauen toll, hier helfen Sie beim Lesen der wirklich lesenswerten Beiträge.

    Danke schon mal! 🙂

  2. gnaur said,

    Danke, wird eingestöckelt.

    /edit: das ist wirklich ein sinnvoller Tip! Ich werde das so peu á peu auch in die schon geposteten Texte einstreuseln.

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