Rübezahl

16. April 2007 at 14:26 (Spezifisch)

Rate mal, wer da hinten kommt. Ich hatte keine Lust zu raten, aber Jonas insistierte. Rübezahl, sagte ich. Wegen dem massigen Körperbau und den Klamotten. Und den Haaren. Sie waren lang und fettig. Jonas warf mir einen Blick zu. Es ist mein Schwager, sagte er. Sein Schwager. Jonas, du hast eine Schwester? fragte ich. Nein, sagte er. Einen Bruder. Hallo Harald, sagte er dann. Hallo Jonas. Jonas machte uns bekannt. Sie sind also der, äh, Mann von Jonas Bruder? fragte ich. Jonas senkte den Blick. Harald nickte. Er heißt Jakob, sagte Jonas. Jonas, sagte ich, warum hast du mir nie von ihm erzählt? Harald blickte ihn an. Er zuckte die Achseln. Wir beide kennen uns ja noch nicht so lange, räumte er ein. Freilich. Es entstand eine etwas peinliche Pause. Um die Situation zu überbrücken wandte ich mich an Harald. Das finde ich aber gut, sagte ich. Was? Naja, dass sie so offen dazu stehen. Wozu? Nun, ich stockte, na, dass sie… was, dass ich schwul bin? Ja, na ja,… Ja und? Ist nicht verboten, oder? sagte er und strich sich eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht. Er hatte dicke Finger. Nein. Natürlich nicht, wie schon gesagt, ich finde es nur halt schön, dass sie kein Problem damit haben. Ich meine, es kann ja niemand was dafür. Man muss es halt nehmen, wie es kommt, nicht? Dafür haben sie sicher Vorteile auf anderen Gebieten, da bin ich mir gewiss, redete ich. Harald nickte und sagte, er müsse weiter. Dann verabschiedete er sich und ging.

Tut mir Leid, sagte ich. Was? Die Sache mit Rübezahl. War dumm von mir. Jonas zuckte die Achseln. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er dein Schwager ist. Jonas blickte mich an. Vergessen wir es, ja? Schaust du dir das Spiel heute an? Klar, sagte ich. Im Ratskeller. Wie immer. Heut fährt auch noch Schumi, sagte er. Wann? Heut Nacht um drei. Da wird sich Rosi aber nicht freuen, seufzte ich. Sie mag es nicht, wenn ich mir die Nacht um die Ohren haue, wie sie es nennt. Kann ja nicht jeder mögen. Aber sie kann ja schlafen, ich meine, sie muss ja nicht mit aufbleiben. Macht sie immer noch die Tupper-Parties? fragte er. Nein, sagte ich. Es lohnt sich nicht wirklich. Ah, sagte er, und es klang erleichtert. Dann also um halb Sechs. Bis dann, Jonas, und entschuldige noch mal wegen… ja ja, schon gut. Bis heut Abend.

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