Unkreativ

30. Juni 2007 at 23:40 (Unspezifisch)

…und nicht mal eine brauchbare Konserve im Keller. Naja, nächste Woche wird besser!

Permalink Schreibe einen Kommentar

Esel

27. Juni 2007 at 0:52 (Spezifisch)

„Lass doch den Esel ein bißchen warten“, sagt Frau Ilse zu mir, und ich nicke. „Lass ihn warten und wir werden sehen, wie er sich verkauft.“ Ich nicke. Der Esel heißt Georg Schumann und ist neunundzwanzig. Er hat sich bei unserem Unternehmen auf eine Stelle als Junior Assistant Manager beworben. Das ist irgendwas zwischen Putze und Hilfssekretär. Was genau, weiß eigentlich keiner, aber wir wissen, dass er gestorben ist, wenn er im Bewerbungsgespräch mehr als dreißigtausend verlangt. Dann werden wir uns bei ihm melden. Ganz bald und so. Müssen nur noch die zweiunddreißig anderen Bewerber prüfen, der Vollständigkeit halber, aber es sieht ganz toll aus, ehrlich.

Aber vorher müssen wir ihn noch ein bisschen warten lassen, weil er nämlich ein Esel ist, und weil Frau Ilse es gesagt hat. Die Frau Ilse, die noch Wörter wie Esel benutzt, weil sie aus einer Generation stammt, wo das ein echt fieses Schimpfwort war. Ich hätte jetzt eher Spacken gesagt, aber so was ist wohl nicht bürotauglich. Außerdem nicke ich sowieso meistens wenn Frau Ilse was sagt. Dann geht’s der gut, dann fühlt die sich bestätigt. Braucht man in ihrem Alter wohl auch. Ist mir eigentlich scheißegal. Nicke ich halt.

„Frau Ilse, der Schumann hat mir grad ne Mail geschrieben.“ Sie guckt mich an, als ob ich ihren Sohn gevögelt hätte. Echt jetzt und so. „Ihnen!?“ Ja verdammt, mir, nicht dir, du Schabracke. „Der hat ja gar keinen Schimmer von unserer internen Organisation.“ Gibt’s eine externe? Ach, egal. „Er hätte ihnen schreiben sollen, nicht?“ Doofe Frage, doofes, selbstgefälliges Augenbrauenhochziehen. „Was schreibt er denn?“ Na was wohl. Hat seit Wochen nix von uns gehört und fragt nach dem Stand der Dinge. „Würde sich freuen, von uns zu hören.“ – „Leit mal weiter.“ Ich nicke.

Dann ist plötzlich Donnerstag und alles ist anders. Dieser Typ ist mehr als der Hammer. Er ist so ne Art irgendwo zwischen Latin Lover und schüchstern-süß, und er hat echt krass blaue Augen. Ich bin ja nur die Tipse im Hintergrund, aber mir geht das echt auf den Keks wie die Frau Ilse den auseinander nimmt, und gleichzeitig bin ich echt gedazzelt wenn der mich anguckt, dabei tut der das nur dreieinhalb Mal. Und dann kommt der Punkt. Das Gehalt. Seine Vorstellungen und so. Achtunddreißig bis vierzig. Ich sacke echt in mich zusammen. Scheiße. Dabei hat der keine schlechten Referenzen, finde ich, aber die Frau Ilse wird mir was husten, wenn ich nicht nicke. Ja, und dann werden wir uns bald bei ihm melden und so. Echt, gleich nachdem wir diese zweiunddreißig…

Ich lächle, wie er geht. Ganz bald wird er von uns hören. Wirklich. Vielleicht. Scheiße.

Permalink 2 Kommentare

Dinner for two

26. Juni 2007 at 23:56 (English, Spezifisch)

I once had a dinner for two
the candles grew dimmer and you
were pretty, yet airy
I called you a fairy
the problem was: hence it was true.

Permalink 3 Kommentare

Er liebt´s wenn sie schreit

25. Juni 2007 at 2:43 (Spezifisch)

Er liebt´s wenn sie schreit, denn sie schreit so verliebt
Selbst wenn er mit ihr nur die Not-Nummer schiebt
Sie weiß, dass er schwul ist, doch ist er ein Mann,
und sie hatte nie ein’ der so lange kann.

Permalink 4 Kommentare

Überzeugungen

24. Juni 2007 at 17:17 (Spezifisch)

Ihrer eigenen Meinung nach war sie eine Versagerin. Nicht, dass sie sich für dumm oder faul gehalten hätte, auch nicht für unfähig, die normalen Tätigkeiten des Lebens zu verrichten. Tief in ihrem Innern war sie einfach der Meinung, dass sie komplexe, grundsätzliche Entscheidungen mit absoluter Sicherheit immer falsch traf und dass sie unfähig sei, Dinge auf lange Sicht zu betreiben. Über die Gründe dachte sie nicht viel nach, sie nahm es hin, so wie man eine Überzeugung einfach hat und die Logistik seiner Gedanken so koordiniert, dass sie diesen Bereich umfließen.

Einmal war sie von einer ihr nahestehenden Person gefragt worden, ob sie ihre fatalistische Weltsicht für sehr zielführend halte. Sie hatte heftig reagiert: was er sich bitte darunter vorstelle, hatte sie ihn angefaucht, und überhaupt, „zielführend“ sei ein genauso widerliches Wort wie „marktführend“ und seinen gedanklichen Führer könne er sich – er wisse schon wo – gerne selbst einführen. Gleichzeitig aber war ihr klar geworden, dass sie dieses Ablenkungsmanöver vom eigentlichen Thema nur unternommen hatte, weil sie einen Bereich ihrer Seele vor sich selbst versteckte, was sie nun zum ersten Mal selbst sah. Sie begann zu ahnen, dass sie ihre Position in und zur Welt würde verändern müssen. Da wollte sie ihn um Verzeihung bitten, hatte aber doch nur geseufzt: „Die Rätsel unseres kleinen Lebens sind mitunter ganz schön groß…“ Zwei Tage später hatte er sie verlassen. Die Frage nach den Gründen stellte sie sich gar nicht erst. Ihrer eigenen Meinung nach blieb sie eine Versagerin.

Die Entstehungsgeschichte dieses sinnfreien Textes ist Folgende: Ausgehend von meinem alten „lies, wenns zum Schreiben nicht reicht“ las ich ein paar Blogs. Völlig zufällig stolperte ich nach einigen Links über einen Artikel über Schreibblockade. Dort wurde ein lustiges Spielchen zur Kreativitätsübung vorgeschlagen, hier meine leicht geänderte Version: blind in einer Zeitung 10 Wörter markieren, aufschreiben, und dann einen Text schreiben, der alle beinhaltet und inhaltlich möglichst nichts mit den Ursprungsartikel gemein hat.
Die 10 Wörter oben im Text stammen übrigens alle aus Stellenanzeigen.

Permalink 3 Kommentare

Momentaufnahme

22. Juni 2007 at 17:36 (Unspezifisch)

kjkjsdfgkhsg7jshdg3.jpg
Draußen regnet es, die Sonne scheint, ein Regenbogen spannt sich vor den dunklen Wolken und irgendwo gewittert es; ich höre den Donner. Die Natur zieht alle Register.

Permalink 4 Kommentare

Kleinere Umbauarbeiten

22. Juni 2007 at 16:49 (Unspezifisch)

Heute habe ich mal aufgeräumt. Es gibt jetzt die Hauptkategorien „Unspezifisch“, „Zelluloid“ und „Spezifisch“. Letztere hat die Unterkategorien „Englisch“ und „Lieblinge“. Mit „Lieblinge“ sind die Texte markiert, die mir selbst am meisten gefallen bzw. die ich für am gelungensten halte.

Außerdem habe ich bei einigen längeren, alten Artikeln ein paar Absätze eingefügt um die Lesbarkeit zu erhöhen.

Und irgendwann gibt es hier vielleicht auch mal ein neues Design; im Moment fehlt mir dazu die Muße.

/edit: ich glaube, dies ist der allerlangweiligste Blogeintrag den ich je geschrieben habe…

Permalink Schreibe einen Kommentar

The undecidedness

21. Juni 2007 at 18:44 (English, Spezifisch)

For you, I would do everything. I would even… er schaut mit seinem Blick, seinen weit geöffneten Augen von unten auf, yes, I would even change myself – und er stockt für einen Lidschlag – as far as I am defined, that is. More or less, sagte er, more or less I am a floating, living though, yet an undefined soul in an ocean of undecidedness. From time to time, however, there is a spot of concreteness, something I can grasp hold on, one thing that reminds me of myself. Seine Augen blinzeln nicht. I do know what I want. In this moment, in this second. It is, forgive my bluntness, it is you.

Ihr Blick liegt ruhig in seinen Augen, in seinem flackernden Ich. I would define myself for you. Through you, yes, I admit, yet not on you. I come to an existence through you, for you, with you. If you will. Sein Atem geht schnell. Ihr Blick liegt in seinen großen Augen. Er schweigt und sein Atem beruhigt sich langsam. Sie fragt sich, was er gedacht hat, weiß es, und warum er es nicht ausgesprochen hat. Er auch. Die Wellen der Unentschiedenheit schlagen unhörbar über ihnen zusammen.

Permalink 5 Kommentare

Die einsame Insel II

19. Juni 2007 at 11:44 (Unspezifisch)

Fall sich jemand gefragt hat, was ich so gemacht habe am WE: das Bett gehütet. War die letzten drei Tage damit beschäftigt, kleinen Bazillen in meiner Lunge und meinem Hals-Nasen-Ohren-Trakt Wohnraum und Spielwiese zu bieten, und das bei sonnigen Temperaturen von bis zu 38,5°C – im Schatten.

Permalink 2 Kommentare

Die einsame Insel

15. Juni 2007 at 1:17 (Unspezifisch)

Das Gedankenexperiment mit der einsamen Insel bzw. die Frage: würde ich tausend Jahre zurückversetzt, käme ich zurecht? Bis jetzt habe ich die Frage immer recht pragmatisch beantwortet mit, ja klar, die Menschen waren nicht so verschieden von uns (man lese einmal Macchiavelli!), und man kann sicher auch ohne heiße Dusche, Dr.Chest-Zahnbürste und natürlich dem ganzen Technikkrempel glücklich sein. Eben fiel mir ein, was mir wirklich fehlen würde: die Musik.

Musik ist ja nicht wie Konsumdrogen: wahnsinnig nett sind die, und doch verzichtbar. Musik hingegen berührt die Seele (etwas, was keine Droge schafft). Und so vielfältig und tief wie unsere Musik der letzten zweihundert, die der letzten achtzig Jahre und schließlich die der letzten zehn Jahre ist – das können die damals einfach nicht hinbekommen haben, und schon gar nicht schaffe ich das auf der einsamen Insel mit meiner Muscheltröte und der Schildkrötenpanzer-Klampfe. Nein, Musik würde mir definitiv fehlen.

Ich merke das immer, wenn ich aus irgendwelchen Gründen einige Tage oder gar Wochen nicht zum Musikhören gekommen bin und dann ein gutes Lied auflege: ich bin hin und weg, da geht einfach die Sonne auf. Aber was ist das? Ist Musik nicht vielfach auch das, was wir mit ihr verbinden? Sind MTV & Co. nicht deshalb so erfolgreich, weil sie (Wunsch-)Bilder mit der zugehörigen Melodie verknüpfen? Ist das Lied, das man mit einem guten Freund im Regen, im Auto auf dem Parkplatz gehört hat nicht etwas ganz besonderes, einfach nur deswegen? Ganz zu schweigen von der plitisch motivierten, der gesellschaftskritischen Musik. Musik ist der Soundtrack unseres Lebens, auch wenn das eine ziemlich bescheuerte Metapher ist. Damit ist die Mucke aber auch zeit-, will sagen kontextabhängig. Cicero hat zu seinen Liedern ge-, naja, -rockt. Konsequent zuende gedacht würde mir also im Rom des Jahres 50 v.Chr. nicht meine Musik, sondern mein heutiges Leben fehlen. Okay.

Und auf der einsamen Insel? Da auch. Scheiß also auf die Insel, ich bleibe zuhause und rocke dort. Genau. Und das musste mal gesagt werden.

Permalink Schreibe einen Kommentar

Next page »