Die einsame Insel

15. Juni 2007 at 1:17 (Unspezifisch)

Das Gedankenexperiment mit der einsamen Insel bzw. die Frage: würde ich tausend Jahre zurückversetzt, käme ich zurecht? Bis jetzt habe ich die Frage immer recht pragmatisch beantwortet mit, ja klar, die Menschen waren nicht so verschieden von uns (man lese einmal Macchiavelli!), und man kann sicher auch ohne heiße Dusche, Dr.Chest-Zahnbürste und natürlich dem ganzen Technikkrempel glücklich sein. Eben fiel mir ein, was mir wirklich fehlen würde: die Musik.

Musik ist ja nicht wie Konsumdrogen: wahnsinnig nett sind die, und doch verzichtbar. Musik hingegen berührt die Seele (etwas, was keine Droge schafft). Und so vielfältig und tief wie unsere Musik der letzten zweihundert, die der letzten achtzig Jahre und schließlich die der letzten zehn Jahre ist – das können die damals einfach nicht hinbekommen haben, und schon gar nicht schaffe ich das auf der einsamen Insel mit meiner Muscheltröte und der Schildkrötenpanzer-Klampfe. Nein, Musik würde mir definitiv fehlen.

Ich merke das immer, wenn ich aus irgendwelchen Gründen einige Tage oder gar Wochen nicht zum Musikhören gekommen bin und dann ein gutes Lied auflege: ich bin hin und weg, da geht einfach die Sonne auf. Aber was ist das? Ist Musik nicht vielfach auch das, was wir mit ihr verbinden? Sind MTV & Co. nicht deshalb so erfolgreich, weil sie (Wunsch-)Bilder mit der zugehörigen Melodie verknüpfen? Ist das Lied, das man mit einem guten Freund im Regen, im Auto auf dem Parkplatz gehört hat nicht etwas ganz besonderes, einfach nur deswegen? Ganz zu schweigen von der plitisch motivierten, der gesellschaftskritischen Musik. Musik ist der Soundtrack unseres Lebens, auch wenn das eine ziemlich bescheuerte Metapher ist. Damit ist die Mucke aber auch zeit-, will sagen kontextabhängig. Cicero hat zu seinen Liedern ge-, naja, -rockt. Konsequent zuende gedacht würde mir also im Rom des Jahres 50 v.Chr. nicht meine Musik, sondern mein heutiges Leben fehlen. Okay.

Und auf der einsamen Insel? Da auch. Scheiß also auf die Insel, ich bleibe zuhause und rocke dort. Genau. Und das musste mal gesagt werden.

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