Überzeugungen

24. Juni 2007 at 17:17 (Spezifisch)

Ihrer eigenen Meinung nach war sie eine Versagerin. Nicht, dass sie sich für dumm oder faul gehalten hätte, auch nicht für unfähig, die normalen Tätigkeiten des Lebens zu verrichten. Tief in ihrem Innern war sie einfach der Meinung, dass sie komplexe, grundsätzliche Entscheidungen mit absoluter Sicherheit immer falsch traf und dass sie unfähig sei, Dinge auf lange Sicht zu betreiben. Über die Gründe dachte sie nicht viel nach, sie nahm es hin, so wie man eine Überzeugung einfach hat und die Logistik seiner Gedanken so koordiniert, dass sie diesen Bereich umfließen.

Einmal war sie von einer ihr nahestehenden Person gefragt worden, ob sie ihre fatalistische Weltsicht für sehr zielführend halte. Sie hatte heftig reagiert: was er sich bitte darunter vorstelle, hatte sie ihn angefaucht, und überhaupt, „zielführend“ sei ein genauso widerliches Wort wie „marktführend“ und seinen gedanklichen Führer könne er sich – er wisse schon wo – gerne selbst einführen. Gleichzeitig aber war ihr klar geworden, dass sie dieses Ablenkungsmanöver vom eigentlichen Thema nur unternommen hatte, weil sie einen Bereich ihrer Seele vor sich selbst versteckte, was sie nun zum ersten Mal selbst sah. Sie begann zu ahnen, dass sie ihre Position in und zur Welt würde verändern müssen. Da wollte sie ihn um Verzeihung bitten, hatte aber doch nur geseufzt: „Die Rätsel unseres kleinen Lebens sind mitunter ganz schön groß…“ Zwei Tage später hatte er sie verlassen. Die Frage nach den Gründen stellte sie sich gar nicht erst. Ihrer eigenen Meinung nach blieb sie eine Versagerin.

Die Entstehungsgeschichte dieses sinnfreien Textes ist Folgende: Ausgehend von meinem alten „lies, wenns zum Schreiben nicht reicht“ las ich ein paar Blogs. Völlig zufällig stolperte ich nach einigen Links über einen Artikel über Schreibblockade. Dort wurde ein lustiges Spielchen zur Kreativitätsübung vorgeschlagen, hier meine leicht geänderte Version: blind in einer Zeitung 10 Wörter markieren, aufschreiben, und dann einen Text schreiben, der alle beinhaltet und inhaltlich möglichst nichts mit den Ursprungsartikel gemein hat.
Die 10 Wörter oben im Text stammen übrigens alle aus Stellenanzeigen.

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3 Kommentare

  1. Petra said,

    Prima Idee. Nachahmenswert.

  2. Petra said,

    Und ach, der Text ist mal alles andere als sinnfrei. Ich kenn‘ die Frau.

  3. gnaur said,

    Dann mal los! 😀

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