Das Mädchen mit der Taschenuhr

29. Juli 2007 at 2:55 (Spezifisch)

Das Mädchen mit der Taschenuhr schrieb Briefe, lange, wortlose Briefe, und sie schrieb die Buchstaben in ihrer schnörkellosen Handschrift mit Tinte auf sauberes, weißes Papier, das von guter Qualität ein Heidengeld gekostet haben musste und am Ende, nachdem es gefaltet, im Umschlag verstaut die Reise durch unsichtbare Kanäle hinter sich gebracht, wieder aus dem Umschlag genommen und entfaltet vor mir lag, einen Hauch ihres Geruches trug und die Buchstaben und Tinte entbehrlich machte, die Wortlosigkeit der Briefe vergessen, so dass ich es nie beiseite legen wollte. Heute schreibt das Mädchen mit der Taschenuhr Emails, kurze, wortlose Emails, und ich habe mittlerweile vergessen, wie sie riecht.

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Autsch

29. Juli 2007 at 2:27 (Unspezifisch)

da war wohl etwas zuwenig Blut im Alkohol, gestern. Aber jetzt weiß ich, dass Gods of Blitz ziemlich gute Musik machen. Kann ich nur empfehlen. Die Musik jetzt. Das andere ist autsch.

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Frau Lange

23. Juli 2007 at 23:13 (Spezifisch)

„Was ist denn los, Frau Lange?“ – „Ach, jetzt hab ich versehentlich die Tüte mit den Kortsch Schokoladenzwergen zweimal über den Scanner gezogen. Ich muss den Marktleiter rufen, weil er den Schlüssel zur Kasse hat.“ – „Ach so. Hm, in ihrem Laden damals war das noch einfacher.“ – „Naja, hast schon Recht, Junge.“ – „Wollten sie nicht längst in Rente sein, Frau Lange?“ – „Ach, ich war doch insolvent. Hab ja immer selbständig gearbeitet, nie in die Rentenkasse eingezahlt, dafür hat es nicht gereicht.“ – „Ja aber, sie hatten doch sicher was zurückgelegt?“ – „Das haben so ziemlich alles die Gläubiger bekommen. Ah, Herr Krause, ja, bitte bestätigen sie die Stornierung hier mal. Es tut mir leid, kommt nicht mehr vor, ja Herr Krause, natürlich, versprochen.“ – „Hey, machnse ma ne zweite Kasse auf hier, sehn se nich dass die Schlange schon bis zur Kühltheke geht? Ich bin Kunde, Kun–dee!“ – „Ich rufe die Kollegin, sie kommt gleich.“ – „Hmm, obo dü schmöcken ümmer noch wü fröher, dü Shokolodenzworge, Frau Longe. Bloibn ümmo noch zwöschn dön Zöhn stöckn.“ – „Und zwei achtundsiebzig, macht zehn. Schönen Tag noch… Junge.“ – „Dongö. Wüdosöhn.“

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La Tour chiante

19. Juli 2007 at 1:59 (Spezifisch, Unspezifisch)

„Es gibt nur einen Weg, dem Doping im Profi-Radsport beizukommen“, sagte der eine, „mach den Sport zu dem, was Hula-Hoop heute ist: so unbekannt wie und wenig beliebter als Schweine-Weitwurf!“ – „Nein“, fiel der andere ein, „Lasst die Kerle alle kastrieren, dann können sie keine Testosteronpflaster mehr auf ihre Säcke kleben, und Hodenkrebs bekommt auch keiner mehr vom vielen Auf-dem-Sattel-sitzen!“ – „Zu kompliziert“, rief schließlich der Dritte, „Setzt sie auf Motorräder, das hat zusätzlich den Vorteil, dass die Tour schneller vorbei ist!“ – „Ach“, seufzte der Letzte, „am besten wäre es wohl, wenn man gar keine Zeit und Energie mehr auf all diese Diskussionen verschwendet und den ganzen Scheiß einfach vergisst.“ – „Sage ich doch“, sagten die drei anderen.

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Linie 300

19. Juli 2007 at 1:34 (Spezifisch)

Der U-Bahnsteig war gedrängt voll, und der Herr mit dem schwarzem Vollbart versperrte den einzigen Durchgang zwischen zwei Menschentrauben. „Könnte ich mal durch bitte?“ Er drehte sich zu mir um, blitzte mich an. Seine Hand fuhr unter das Jackett und er hielt mir ein ziemlich großes, hässlich gezacktes Messer unter die Nase. „Es ist Gesetz, dass ich weder weiche noch aufgebe, und so bleibt mir nur, kämpfend zu sterben!“, brüllte er mich an. Unwillkürlich wich ich einen Schritt zurück. „Schon gut“, versuchte ich ihn zu beruhigen, während ich mich nach einem anderen Weg umsah, aber es gab nur diesen einen, und wenn ich meine Bahn kriegen wollte, musste ich notgedrungen den Durchgang hinter ihm zum anderen Gleis nehmen. „Ich möchte ja nur vorbei“, sagte ich, woraufhin er das Messer mit abgespreiztem Ellbogen in Schulterhöhe hob und schrie: „Niemals werde ich meine Freiheit deinem Diktat unterwerfen! Für mich gibt es kein Weichen von dieser Stelle!“ Ich hoffte auf eine Reaktion der anderen Fahrgäste, doch die taten so, als ob sie das alles nicht interessierte, selbst der, den er mit dem Ellbogen ein blaues Auge geschlagen hatte.

„Werter Herr“, setzte ich noch einmal vorsichtig an, abwechselnd meine Uhr und das Messer beobachtend. „Wenn sie ein Problem haben, gut, jeder hat Probleme, aber vielleicht…“ – „Ich habe kein Problem, denn ich bin ein direkter Nachfahre der Götter, und als Kind hat man mich stundenlang über U-Bahngleise halten können ohne dass ich geweint hätte, ha!“ Ich gab es auf. Der war einfach durch, sollte sich die Polizei um ihn kümmern. Also drehte ich mich um, nahm den langen Weg, würde ich halt die nächste Bahn nehmen. Rolltreppe hoch, Durchgang nehmen… Auf halbem Weg kam ich an einem Blumenladen vorbei, und die Nelken lachten mich an. „Ja“, dachte ich, „besser als Messer“ und fragte den Verkäufer nach dem Preis. „Unkäuflich und unbeugsam stehen ich und meine Getreuen vor dir!“, schrie der, bevor er mir ein langes und hässlich gezacktes Messer bis zum Heft in den Bauch stieß.

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Finde den Titel!

18. Juli 2007 at 18:43 (Unspezifisch)

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Nach einer hitzigen Diskussion und tagelangen Auseinandersetzungen hat sich die einköpfige Jury nun entschieden: Unser Gewinner ist GreenStorm mit dem Titel „Mein Leben mit mir selbst“!

Auszug aus der Laudatio und Begründung: „Der Titel ist nicht nur inhaltlich eng mit der vorliegenden Geschichte verbunden, sondern ist auch eine Metapher seiner eigenen Entstehungsgeschichte, sprich: des Wettbewerbs sowie des Ausschreibenden an sich; mithin also eine gelungene Kommentierung der massenhaften Einsendung von Vorschlägen.“ Ich gratuliere!

Den Wunsch für den Gewinn bitte an die Emailadresse louis (Tupferl) lex (Affenklammer) gmx (Zweites Tupferl) de senden.

PS: Bildquelle, Autor

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Mein Leben mit mir selbst (8)

17. Juli 2007 at 22:21 (Spezifisch)

WelttraumDie Boje ist fertig. Sie sieht aus wie eine Seemine, oder meinetwegen auch wie ein Seeigel, wobei der ja auch nicht viel anders als… Auf jeden Fall habe ich fast zwei Wochen damit zugebracht, dieses Ding zusammenzubasteln, und die Tips von Brutus waren auch nicht immer hilfreich. Richtig gut ging die Arbeit erst voran, als Kriemhild die Musik endlich zugänglich gemacht hatte, und ich schweinelaut „X“ von LambdaTod hören konnte, und all die anderen schönen Sachen. Es war herrlich, dazu immer ein kühles Bier, und ganz vergessen, dass ich doch noch Tagebuch führen wollte. Wollen? Oder sollen? Ich weiß es nicht mehr, ich habe mich ganz daran gewöhnt gehabt.

Aber komisch ist es schon: man gewöhnt sich an etwas, das man ursprünglich nie selbst begonnen hätte. Schlimmer noch: ich wurde durch eine Maschine, einen Softwareseelenklempner, zum Tagebuchschreiben gebracht. Bedenklich. Aber kein Grund, damit aufzuhören. Schließlich könnte ich argumentieren, dass die Maschine selbst wieder von Menschen geschaffen wurde und damit die Idee zum Tagebuchführen auch von diesen Menschen stammt. Aber das tut sie ja sowieso, Kriemhild hat mich nur auf die Dienstvorschrift aufmerksam gemacht. Aber war ihr das auch von Menschen in die Wiege gelegt? Schließlich ist sie neuronal-adaptiv, und man kann nicht genau vorhersagen, was sie letztlich tun wird, höchstens mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Aber ist sie nun ein selbständig denkendes System oder doch nur eine Maschine, die den Zweck erfüllt, für den sie geschaffen wurde? Umgekehrt kann man das aber auch bei Menschen fragen, denn wenn man sie nur geschickt genug manipuliert werden sie auch sehr vorhersehbar. Das eine wie auch das andere spricht gegen uns. Ich bekomme Kopfschmerzen. Die Boje bringe ich morgen aus.

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Eben habe ich wieder mal „Radiology“ gesehen. Die Kandidaten hatten einen Durchschnitts-IQ von ungefähr 60 und der Quizmaster musste sie erklären lassen, wie man ein Frequenzspektogram erstellt. Ich wusste auch nicht, wie das geht, oder was das ist, aber nach einer quälenden Stunde hatte ich es raus, kurz bevor der Moderator eingelagert wurde. Ich fragte Brutus, warum wir das nicht auch längst einmal versucht hatten. Er redete sich raus und sagte, ich hätte es ihm nie gesagt. Wie denn auch, wenn ich es nicht kenne, bin ich Hellseher? Er macht das jetzt jedenfalls, und den Rest des Abends stellt er sich zur Strafe in eine Ecke des Arbeitsspeichers, mit dem Gesicht zur Wand, falls es da eine gibt.

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Die Schoko-Jalapeño-Chips schmecken interessant, passen aber nur zu Braunbier.

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Mein Mäuseproblem dürfte der Vergangenheit angehören. Ich habe die beste Mausefalle des Planeten konstruiert und werde sie damit auslöschen. Ein Paprikarifflechip lockt die Maus in den Käfig, in dem sie eine Lichtschranke passiert. Ich habe UV-Licht genommen, das dürfte unsichtbar für die Viecher sein. Zusätzlich habe ich einen Drucksensor eingebaut, der das Gewicht des Nagers registriert. Beide geben ihr Signal an eine Schaltlogik weiter, die das Herzstück der Falle zündet, die sternförmig angeordneten Brenndüsen, die den Nager anschließend ins Mäusenirwana flammen. Das alles wird zusätzlich von einer Infrarot- und einer Wärmebildkamera festgehalten. Ja, wenn ich etwas mache, mache ich es richtig. Es ist mir egal, dass Brutus in der Mäuseasche aus dem Laborbrenner nur Zellstoffreste, Schwermetalle und jede Menge nicht zuordenbaren Kohlenstoff gefunden hat. Diesmal bekommt er Bilder. Die Falle stelle ich in Frachtraum drei auf, den mögen sie am Liebsten.

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Fast hätte ich die Boje vergessen. Die werde ich jetzt gleich mal für ihren Jungfernflug vorbereiten.

(Fortsetzung folgt)

Der Wettbewerb endet in dieser Nacht!

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Mein Leben mit mir selbst (7)

17. Juli 2007 at 9:19 (Spezifisch)

WelttraumVorhin habe ich endlich eine Betriebsanleitung gefunden. Für einen Hammer. Na super.

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Ich muss mir langsam einmal Klarheit darüber verschaffen, ob ich wirklich gerettet werden wollen würde, wenn es soweit kommen sollte. Brutus kann mir die Wahrscheinlichkeit für eine Rettung nicht genau sagen („zu viele Unbekannte!“), und ich musste mit ihm schimpfen, bis er mir wenigstens ein Intervall angab („aber das ist völlig ungenau!“). Meine Chancen liegen demnach zwischen 0,0021 und 0,0022 Prozent, im Mittel also bei 0,0000215, und da ist die Boje schon mit eingerechnet. Wenn ich mich darauf einstelle, nicht gerettet zu werden, dann überrascht mich am Ende ein dämlicher Held, während ich gerade nackt durch die Kajüte hüpfe und einen Regentanz vollführe. Das will ich nicht. Umgekehrt würde ich vielleicht in einigen Monaten oder Jahren in tiefste Depressionen verfallen, weil niemand kommt, der mich bei nichts überrascht. Ich denke noch mal drüber nach.

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Ich habe mich gefragt, wie lange dieses Schiff nach meinem Ableben noch existieren könnte, beispielsweise für den Fall, dass doch noch jemand Schiff, Ladung oder meine Memoiren bergen möchte. Angenommen, die Hülle würde nicht vom Meerwasser zerfressen oder eingedrückt, ist die kritische Variable der Reaktor, denn der hält ja alle Systeme am Laufen. Ich habe Brutus gefragt, aber der meinte, der Reaktor könnte unter Umständen schon ausgebrannt sein, bevor ich das Zeitliche segne. Das beunruhigt mich. Brutus hat gesagt, dass er länger halten würde, wenn ich nicht permanent das gesamte Schiff in Festbeleuchtung tauchen würde. Auf meine Frage hin, ob es noch andere Sparmöglichkeiten gäbe, antwortete er nur lakonisch, ich sollte vielleicht nicht dreimal täglich Wäsche waschen. Dabei ist der integrierte Lavomat ungemein praktisch: Klappe auf, Wäsche rein, Klappe zu; und eine Minute später ist sie kuschelweich und sogar noch warm. Und sauber natürlich. Mittlerweile weiß ich, warum Lars, der Bordbiologe, sich immer bereit erklärt hat, die Wäsche aller Crewmitglieder zu waschen.

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Endlich ist Kriemhild mit ihren Neuigkeiten herausgerückt, aber erst, nachdem ich ihr die Klebezettel von einer Linse unter Vorbehalt entfernt hatte. Böse blitzte sie mich mit ihrem Kameraauge an und teilte mir dann mit, dass sie die Musikdatenbank fast entschlüsselt hatte. Gerade wollte ich übellaunig den Klebezettel wieder zurückkleben, als sie hastig ergänzte, dass sie außerdem nebenbei eine Staffel von „Radiology“ gefunden hatte, dieser uralten Quizshow, bei der der Moderator am Schluss im Atommüllendlager landet, wenn nicht alle Kandidaten gewinnen. Als Kind fand ich die Serie schon furchtbar, denn die Kandidaten waren entweder geübte Hirnlegastheniker oder – Langstreckenraumflieger. Entsprechend schwer hatte es der Moderator. Trotzdem habe ich ihr das Auge nicht wieder verklebt.

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Ich habe den Energieverbrauch mal von Hand nachgerechnet. Wenn ich das Licht nur bei Bedarf einschalte und aufs Waschen verzichte, halten die Energiereserven noch gut 68 Jahre. Ich war so motiviert vom Energiesparen, dass ich gleich auch noch ausrechnete, dass sie sogar 290 Jahre halten würden wenn ich Brutus abschaltete. Der wies mich dann aber trocken darauf hin, dass meine Lebenserwartung in diesem Fall im einstelligen Tagesbereich ausgedrückt werden könne. Egozentriker. Trotzdem, ab sofort wird hier gespart. Ich habe Brutus angewiesen, nur in den Räumen Licht zu machen, in denen ich mich aufhalte (plus zwanzig Jahre). Dann habe ich die Heizung ein bisschen hoch gedreht (minus drei Jahre) und verzichte dafür aufs Wäschewaschen (keine Klamotten – kein Waschen. Plus zehn Jahre).

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Habe mir im Dunkeln das Knie an einem Bierfass gestoßen und es zur Strafe dafür angestochen (das Fass, nicht das Knie). Dann habe ich Brutus angeschnauzt, er solle das Licht bitteschön einschalten sobald ich den Raum betrete, nicht erst, wenn ich durch fünfminütige Anwesenheit demonstriert habe, dass ich zu bleiben gedenke. Der Kerl ist manchmal einfach nur doof. Komisch, habe ich mir das nicht schon mal überlegt gehabt?

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„Radiology“ ist schlimmer, als ich dachte, aber auf einmal habe ich wieder Bild und Ton in meinem Wohnzimmer (ehemals Brücke). Alles scheint anders, ich fühle mich, wie nach langer Zeit nach hause gekommen. Brutus nörgelt, wenn ich meine Füße aufs Armaturenbrett lege oder nur in Unterhose rumlaufe, aber das stört mich nicht. Ich bin der König von Okeanos!

(Fortsetzung folgt)

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Mein Leben mit mir selbst (6)

16. Juli 2007 at 16:02 (Spezifisch)

WelttraumEs ist jetzt sehr still. Mein Sessel quietscht nicht mehr, Kriemhild hat den Zugang zur Musik noch nicht geknackt, aber sie hat ihr permanentes Gewinsel eingestellt. Das einzige Geräusch kommt vom Schiff selbst, das zuweilen leise, langgezogen unter dem großen Außendruck stöhnt. Es ist unheimlich. Selbst die Mäuse scheinen sich zurückgezogen zu haben. Es bereitet mir wenig Trost, dass sie das sinkende Schiff nicht verlassen können, weil es schon gesunken ist. (Außerdem betrifft das ja ohnehin nur Ratten.) Ich fühle mich sehr allein.

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Heute habe ich dem Bordcomputer einen Namen gegeben, er heißt jetzt Brutus. Es ist schön, wenn man Dingen Namen gibt, das macht sie etwas menschlicher und man kann sich selbst vorspielen, man sei gar nicht so allein. Die menschliche Psyche lässt sich, obwohl der Verstand es besser weiß, einfach überlisten. Außerdem gibt es ein Gefühl von Macht oder Kontrolle, wenn man Dinge benennen, und dann beim Namen kann. Bestärkt werde ich in dem Gedanken durch Brutus, denn der findet seinen neuen Namen blöd.

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Ich habe den Planeten benannt. Das war gar nicht so einfach. Namen wie „Waterworld“, „Waterloo“, „Oceans 0815“ sowie „Aquamax“ kamen mir zuerst in den Sinn, aber dann entschied ich mich, es richtig zu machen; setzte mich an die Arbeit und ackerte die Dienstvorschriften zur Benennung von Planeten, Planetoiden, Monden und sonstigen dicken Brocken durch. Nach einigen Stunden angestrengter Arbeit und einem Abgleich mit der Sternenkarte inklusive Positionsbestimmung (ich hatte das noch nie gemacht) kam ich dann auf LAH-13589-UUPS. Also wirklich, die Jungs, die sich den Scheiß ausgedacht haben, müssen ein Loch im Kopf haben. Nein, mein Planet sollte nicht „Uups“ heißen. Dann zog ich griechische Mythologie zu Rate. Das haben die Menschen zu allen Zeiten schon so gemacht: wenn sie keine Ideen mehr hatten, wühlten sie in den geistigen Hinterlassenschaften der alten Griechen. Ich frage mich, wo die Griechen gewühlt haben. Wie dem auch sei: mein Planet heißt jetzt Okeanos, ist einer der ältesten Titanen und entstand aus Gaia und Uranos. Genug Schöpfung für heute.

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Vorhin habe ich eine Maus gefangen. Ich habe sie in die Brennkammer im Labor huschen sehen und reflexartig die Klappe geschlossen. Leider wird dabei immer gleich der Brennvorgang gestartet, deshalb ist die Asche meiner Beute nun mit der Asche leerer Chipstüten und der Unterwäsche von Kapitän Dinkmann gemischt, die ich dort entsorgen wollte. Brutus zweifelt nach wie vor an meinen Mäusen, aber ich habe ihm die Aufgabe gegeben, die Asche chemisch zu analysieren. Er wird schon sehen, dass ich Recht hatte. Außerdem habe ich die Schiffsbeleuchtung auf Dauerbetrieb gestellt, damit Brutus die Mäuse jederzeit sehen kann.

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Logbucheintrag [auto.einfügen::datum:lfd-nr:name]. Die von meinen geschätzten Kollegen hinterlassene Ordnung ist komplex, deshalb war es mir nicht eher möglich, mit der Konstruktion einer Boje zu beginnen um die nähere Umgebung zu erkunden und somit Fracht und Schiff der Rettung näher zu bringen.

Oh. Das hier ist ja gar nicht das Logbuch. Dann kann ich mir die Luftblasen sparen. Brutus, dieser Pedant, hat eine Dienstanweisung gefunden in der steht, dass ich alles unternehmen muss um Mathilda, die alte Rostlaube, und die überaus wertvolle Fracht, von der ich Kater und Pickel bekomme, zu retten. Nachdem er verschiedene Optionen „schon mal für mich durchgerechnet“ hatte, meinte er es sei am besten, wenn ich eine Boje baue, mit Aufklärungs- und Kommunikationselektronik voll stopfe, und das Ding aussende. Die Idee an sich ist gar nicht mal so schlecht, aber die Werkstatt ist ein einziges Chaos und die Ersatzteillager sehen eher nach Halde aus. Von Teilelisten ist im System keine Spur zu finden. Bedienungsanweisungen für die Geräte habe ich auch keine gesehen, nur dutzende von Warnhinweisen im Umgang damit („Benutzen Sie den Elektronenschraubendreher nie im Hyperraum“, „Halten Sie die Schweißflamme stets von sich gerichtet“, „Der StaubEx32 darf nicht in die Hände von Kindern gelangen, Kleinkinder könnten verschluckt werden“). Es kann dauern.

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Kriemhild sagt, sie hat gute Neuigkeiten, aber sie sagt mir nicht, welche. Miststück.

(Fortsetzung folgt)

Für alle, die am Wochenende nicht da waren, verlängere ich den unglaublichen, einmaligen, nicht-zu-überbietenden und nicht zu vergessen: kreativen Wettbewerb bis morgen Abend!

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36 Grad

16. Juli 2007 at 1:05 (Unspezifisch)

Ich hab nix gegen Hitze. Wenn sie alle jammern, ist es ganz erträglich. Aber wieso 36? Jeder redet über die magischen 36, nicht 37 und nicht 35, nein, es müssen sechsunddreißig Grad sein. Was ist das, Zweiraumwohnung? Was soll das? Ist es eine Sozialparanoia oder wieder nur ein Nachgekaut-ist-besser-als-nachgedacht-Reflex? Mir ist es egal ob das Thermometer die exakte Körpertemperatur der Welt wiedergibt, was zählt ist, dass es warm ist und die Sonne scheint, bzw. dass man nachts mangels Wolken und trotz Lichtverschmutzung von übermäßig vielen, unnützen Straßenlaternen endlich mal wieder die Milchstraße sehen kann; ja, ich erkenne selbst die bekanntesten Sternbilder kaum wieder, weil sich so viele Sterne zwischenreinquetschen, die sonst immer unsichtbar sind. Die 36 können mich mal. Hauptsache, es ist Sommer.

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