Mein Leben mit mir selbst (2)

14. Juli 2007 at 1:57 (Spezifisch)

WelttraumHeute habe ich wieder eine Maus gesehen, eine weiße, wie beim letzten Mal. Den Aufwand mit dem CO2 konnte ich mir diesmal aber schenken, da sie von einer Katze gefangen wurde. Was für ein Glück. Kriemhild wollte wissen, wo die Katze her kam, aber woher soll ich das denn bitte wissen, ich bin doch nicht der Bordbiologe. Weder in den Frachtpapieren noch auf der Besatzungsliste stand eine Katze. Eine breite Suche über die Datenbankabstraktionsschnittstelle brachte mich auch nicht weiter. Ich denke, ich werde den Suchalgorithmus heute Abend erweitern.

Apropos „heute Abend“; die Sache mit dem Tag-/Nacht-Rhythmus ist ganz komisch. Irgendwer hat mal entschieden, dass nach vierzehn Komma drei Stunden das Licht gedimmt wird. Dann ist Nacht. Acht Komma sieben Stunden lang. Das soll gesund sein. Leider bin ich seit einiger Zeit ein bisschen aus dem Trab gekommen. Erst dachte ich, ich hätte den Rhythmus umgedreht und schlafe tagsüber, während ich die Nacht durchmache. Aber das stimmt auch nicht. Nach acht bis zehn Stunden, die ich mit Joggen, Gehirntraining und Essen verbringe, falle ich wie tot ins Bett und schlafe dann ungefähr zehn bis zwölf Stunden. Damit bin ich langsam völlig asynchron und weiß nie so genau, ob es gerade Tag oder Nacht ist, wenn ich aufwache.

Der Vorteil dabei ist, dass man einen Gehirnsport daraus machen kann: ich lasse mir vom Computer sagen, wie lange es schon Tag ist, wenn es Tag ist. Einen regelmäßigen Versatz von drei Stunden im Mittel vorausgesetzt, kann ich zurückrechnen, wann ich das letzte Mal einen „normalen“ Rhythmus hatte. Als ich soweit gekommen war, fiel mir ein, dass ich eigentlich auch gleich den Computer fragen könnte, wie lange ich schon neben der Spur lebte, und da ließ ich das Rechnen dann bleiben.

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Um es gleich zu sagen: heute war ein richtig beschissener Tag. Alles fing damit an, dass mich der Computer nach gerade mal zwei Stunden Schlaf weckte – er war richtig penetrant! – und mich zwang, ins Cockpit zu kommen. Kaum war ich da, moserte er rum, dass ich im Schlafanzug gekommen war. Also bitte, schließlich wollte ich ja auch wieder zurück ins Bett. Und dann musste ich die Bremsphase einleiten. Unter seiner Anleitung. Das war ein Aufwand! Den Vollautomatikmodus durfte ich nicht einschalten, weil in irgendeiner dämlichen Vorschrift steht, dass kritische Manöver immer von einem Pilot begleitet werden müssen. Dabei bin ich gar kein Pilot. Jeden verdammten Handgriff hat mir die Maschine penibel genau vorgegeben. Da hätte sie es auch gleich selbst machen können. Also wirklich. Nicht mal auf meine Provokationen ist er eingegangen, dieser Drecksack von einem Softwareunfall.

Und dann passierte es. Genau in dem Moment als ich das Schiff um hundertachtzig Grad entlang der Querachse drehte, genau in der Sekunde, als es senkrecht zur Flugrichtung lag, klatschte ein Stein in unseren Unterbauch. Den Schiffsunterbauch meine ich. Eigentlich haben wir ja Schilde. Aber die sind größtenteils vorn, weil wir ja normalerweise auch nach vorn fliegen, also mit der Nase nach vorn, ist ja klar. Und dann fing auf einmal alles an zu blinken und eine dämliche Alarmtröte jaulte. Was soll ich sagen, ich weiß selbst nicht, was alles passiert ist. Irgendwie hab ich das Wendemanöver dann beendet und die Bremsraketen eingeschaltet. Dann habe ich die Lautsprecherkabel durchgeschnitten um den Alarm zu beenden und bin jetzt wieder auf dem Weg ins Bett. Der Computer hat mir versprochen, dass er Steuerung und Kurskontrolle übernimmt, aber erst nachdem ich ihm gedroht hatte, wahllos seine Platinen einzutreten. Ich war wirklich schlecht drauf.

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Langsam frage ich mich, ob man der Technik trauen darf. Ich weiß, die Frage hört sich komisch an, aber angesichts meiner derzeitigen Lage finde ich sie sehr berechtigt. Alles fing damit an, dass ich erneut aus dem Schlaf gerissen wurde. Der Computer entschuldigte sich sogar dafür, meinte aber, es gäbe ein wirklich wichtiges Problem, und nein, er könne es nicht selbst lösen. Das machte mich schon mal misstrauisch. Ich dachte schon, er wollte mich auf eine Außenmission schicken und dann meine Kapsel nicht wieder an Bord lassen (habe ich mal in einem Film gesehen), aber er erzählte mir, dass der Einschlag die Steuersysteme beschädigt hatte. Nach vielen technischen Details, die ich nicht verstand, brachte ich ihn soweit, dass er mir sagte, dass wir viel zu stark bremsen und dabei auch noch in die falsche Richtung fliegen.

Gut, sagte ich, wenn er nichts machen könne, dann solle er eben ein Notrufsignal senden und noch mal gründlich nachdenken, was er doch tun kann. Er entgegnete, dass auf unserer Flug- oder auch Bremsbahn ein ziemlich großes Objekt läge. Was er unter „ziemlich groß“ verstände. Vierzehntausend Kilometer Durchmesser. Okay. Das war nicht klein. Nach einigem Hin und Her hatte ich ihn soweit, dass er mir versprach, den Kurs zu ändern und drum herum zu fliegen.

Dann kam der Crash. Zum Glück lag ich schon wieder im Bett, denn dort gibt es automatische Notfallgurte, die einen festhalten, wenn es mal wackelt. Und es wackelte wie die Hölle. Ich habe es erst hinterher mitbekommen, aber wir sind in die Atmosphäre von diesem ziemlich großen Ding, das ein Planet war, eingetaucht. Dann hat es der Computer immerhin noch hinbekommen, das Schiff langsam abzusenken, und sogar zu landen. Dumm nur, dass der Planet vollständig mit Wasser oder etwas ähnlichem bedeckt ist, denn dadurch sind wir anschließend mal schön auf den Grund gesunken. Jetzt liegen wir mit leichter Schlagseite in ungefähr dreitausend Meter Tiefe und ich muss sagen, dass ich mir wirklich ernsthafte Gedanken über die Zuverlässigkeit der Technik mache.

(Fortsetzung folgt)

Der Miniwettbewerb läuft noch!

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