Mein Leben mit mir selbst (4)

15. Juli 2007 at 10:55 (Spezifisch)

WelttraumRobinson Crusoe gelesen. So ein unrealistischer Schund. Echt jetzt.

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Heute war Ostern. Ich habe das beim Frühstück beschlossen. Dann habe ich Eier gekocht, angemalt und versteckt. Später habe ich sie gesucht, aber leider nicht alle gefunden. Den Computer habe ich den ganzen Tag mit „Meister Lampe“ angeredet. Ich hatte viel Spaß.

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Ich denke gerade an zuhause. Das ist ziemlich sentimental und kitschig, aber ich kann mich im Moment nicht zur Raison zwingen. Ich habe letzte Nacht geträumt, dass ich mit meinen Geschwistern auf einem U-Boot Steaks grille. Natürlich auf dem Deck, an der Oberfläche, wegen dem Rauch, auf einem großen Schwenkgrill. Dabei haben wir Bier getrunken und uns Geschichten erzählt. Als ich die Geschichte von meinem Absturz auf einem einsamen Planeten, der ganz von Wasser bedeckt war, erzählte, gingen alle unter Deck; ich blieb ganz allein zurück und betrank mich dann mit Bier. (Ich war bis heute noch nie im Traum betrunken, aber es ist toll, wenn man sturzbesoffen aufwacht, und von jetzt auf gleich wieder nüchtern ist.)

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Es hat mich zwei Tage harte Arbeit gekostet, aber ich habe es geschafft. Ich habe eine Zapfanlage gebaut. Natürlich werde ich sie nie benutzen, es ging mir ausschließlich um die Herausforderung. Ich habe mir bewiesen, dass ich es kann. Ich bin so stolz auf mich.

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Die Mäuse machen mich noch wahnsinnig. Überall huschen sie, und Laderaum drei stinkt schon ganz erbärmlich, da muss eine gestorben sein. Ihren Urin rieche ich auch überall, es riecht ganz dünn und trotzdem beißend, und ein bisschen salzig. Ich sollte Mausefallen bauen, aber ich habe schon einen Tag gebraucht um nur das Material für die Zapfanlage zusammen zu suchen, wenn ich jetzt auch noch Drähte und Klammern suchen muss – nein, das ist mir zu anstrengend. Ich werde schon einen Weg finden, wie ich sie loswerde, muss nur nachdenken. Ich hoffe, dass mein IQ noch nicht um die erwähnten zehn Punkte runter ist. Falls doch, suche ich mir eben einen Knüppel.

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In Sektion drei ist doch keine Maus gestorben. Es war eines der Ostereier, die ich neulich nicht gefunden hatte. Habe mir den Raumanzug angezogen, das Ding in die Brennkammer im Labor getragen und dort entsorgt. Fehlen nur noch drei.

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Es klopft. Irgendjemand oder irgendetwas klopft seit einigen Stunden an die Außenhaut des Schiffs. Da die ganzen Außenaufbauten abgebrochen sind, kann der Computer nichts sehen. Es klopft einfach nur, unregelmäßig, wie wenn einer mit einem Hammer gegen die Bordwand schlägt. Alle paar Minuten kommen ein oder zwei dumpfe Schläge, die man fast im ganzen Schiff hören kann. Einen Code haben wir noch nicht entschlüsseln können. Mir ist etwas unwohl. Ich frage mich, ob ich hier wirklich allein bin. Mir wäre wohler, ich wäre es.

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Das Klopfen raubt mir den Schlaf. Ich kann mich nicht entspannen wenn ich das Gefühl habe, dass einer vor meiner Tür steht und rein will (ich habe gar keine Tür, nur eine Schleuse, und das Klopfen kommt von der anderen Seite des Schiffes). Schließlich habe ich einen Hammer genommen und zurück geklopft. Mit Hilfe eines Morsealphabets hämmerte ich dem Unbekannten „wir kaufen nichts!“ ein. Später meldete sich der Computer bei mir und verkündete stolz, er habe jetzt eine Sequenz entschlüsselt: der fremde Besucher kaufe nichts. Natürlich hatte er meine eigene Botschaft dechiffriert, der Depp. Das Klopfen von draußen geht unverändert weiter.

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Ich denke darüber nach, den Raumanzug anzuziehen und auszusteigen, damit ich endlich herausfinde wer da so nervtötend hämmert. Der Computer hat mir aber abgeraten, er meint, ich hätte keinen Unterwasserscheinwerfer. Das ist ein Argument. Ich frage mich außerdem, ob der Druck nicht vielleicht auch zu hoch sein könnte.

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Habe in der Datenbank unter „Klopfer“ nachgeschaut. Das Ergebnis entsprach nicht meinen Erwartungen.

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Eben ging ein Zittern durch Mathilda und das Schiff hat sich bewegt. Alle Fugen und Schweißnähte begannen furchtbar zu ächzen und zu stöhnen, während sich der Boden hob und wieder senkte. Wir liegen jetzt fast waagerecht. Vielleicht haben uns die außerirdischen Wesen jetzt in Position zum Abtransport gebracht? Das Klopfen hat immerhin, nach fast dreißig Stunden, aufgehört. Ich bin erschöpft und denke, ich gehe jetzt erstmal ins Bett.

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Wenn mich der Herr Bordcomputer noch einmal aus dem Schlaf reißt, reiße ich ihm seine Lieblingschips aus, aber mit der Beißzange. Das habe ich ihm auch gesagt. Trotzdem meinte er, es sei wichtig. Er hatte herausgefunden, dass das Klopfzeichen mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,99982 gar nichts zu bedeuten hatte, und mit der Gegenwahrscheinlichkeit von 0,00018 die Bedeutung „Wolle Dame schicke Staubsauger kaufe“ hatte. Wäre ich nicht so müde, ich würde die Beißzange jetzt gleich suchen gehen.

(Fortsetzung folgt)

Kleine Erinnerung an den Miniwettbewerb! Einsendeschluss heute Nacht.

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3 Kommentare

  1. GreenStorm said,

    Sinnlos im Weltraum – ach ne, der ist schon belegt.

    Dann vielleicht.. nächster Vorschlag kommt nach dem Essen.

  2. GreenStorm said,

    Vielleicht „Der Schöne und das Kriemhild“ ? Nein.. klingt doof.
    „Mein Leben mit mir selbst“ – nein.. auch doof.
    Verzeihung, aber.. verlange nicht zuviel von einem ausgelaugten 15-Jährigem Schüler, oh Gnaur..

    Wenn mir noch etwas schönes einfällt, ich melde mich…aber ich glaube nicht, dass das der Fall sein wird. Bei der hirnlosen Action, die bald meine Synapsen umflutet..

  3. gnaur said,

    Nice, nicht doof 😉

    Das Ausmaß der Hirnlosigkeit variiert mit der Fähigkeit, darüber lachen zu können. Glaube ich oder so.

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