Mein Leben mit mir selbst (6)

16. Juli 2007 at 16:02 (Spezifisch)

WelttraumEs ist jetzt sehr still. Mein Sessel quietscht nicht mehr, Kriemhild hat den Zugang zur Musik noch nicht geknackt, aber sie hat ihr permanentes Gewinsel eingestellt. Das einzige Geräusch kommt vom Schiff selbst, das zuweilen leise, langgezogen unter dem großen Außendruck stöhnt. Es ist unheimlich. Selbst die Mäuse scheinen sich zurückgezogen zu haben. Es bereitet mir wenig Trost, dass sie das sinkende Schiff nicht verlassen können, weil es schon gesunken ist. (Außerdem betrifft das ja ohnehin nur Ratten.) Ich fühle mich sehr allein.

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Heute habe ich dem Bordcomputer einen Namen gegeben, er heißt jetzt Brutus. Es ist schön, wenn man Dingen Namen gibt, das macht sie etwas menschlicher und man kann sich selbst vorspielen, man sei gar nicht so allein. Die menschliche Psyche lässt sich, obwohl der Verstand es besser weiß, einfach überlisten. Außerdem gibt es ein Gefühl von Macht oder Kontrolle, wenn man Dinge benennen, und dann beim Namen kann. Bestärkt werde ich in dem Gedanken durch Brutus, denn der findet seinen neuen Namen blöd.

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Ich habe den Planeten benannt. Das war gar nicht so einfach. Namen wie „Waterworld“, „Waterloo“, „Oceans 0815“ sowie „Aquamax“ kamen mir zuerst in den Sinn, aber dann entschied ich mich, es richtig zu machen; setzte mich an die Arbeit und ackerte die Dienstvorschriften zur Benennung von Planeten, Planetoiden, Monden und sonstigen dicken Brocken durch. Nach einigen Stunden angestrengter Arbeit und einem Abgleich mit der Sternenkarte inklusive Positionsbestimmung (ich hatte das noch nie gemacht) kam ich dann auf LAH-13589-UUPS. Also wirklich, die Jungs, die sich den Scheiß ausgedacht haben, müssen ein Loch im Kopf haben. Nein, mein Planet sollte nicht „Uups“ heißen. Dann zog ich griechische Mythologie zu Rate. Das haben die Menschen zu allen Zeiten schon so gemacht: wenn sie keine Ideen mehr hatten, wühlten sie in den geistigen Hinterlassenschaften der alten Griechen. Ich frage mich, wo die Griechen gewühlt haben. Wie dem auch sei: mein Planet heißt jetzt Okeanos, ist einer der ältesten Titanen und entstand aus Gaia und Uranos. Genug Schöpfung für heute.

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Vorhin habe ich eine Maus gefangen. Ich habe sie in die Brennkammer im Labor huschen sehen und reflexartig die Klappe geschlossen. Leider wird dabei immer gleich der Brennvorgang gestartet, deshalb ist die Asche meiner Beute nun mit der Asche leerer Chipstüten und der Unterwäsche von Kapitän Dinkmann gemischt, die ich dort entsorgen wollte. Brutus zweifelt nach wie vor an meinen Mäusen, aber ich habe ihm die Aufgabe gegeben, die Asche chemisch zu analysieren. Er wird schon sehen, dass ich Recht hatte. Außerdem habe ich die Schiffsbeleuchtung auf Dauerbetrieb gestellt, damit Brutus die Mäuse jederzeit sehen kann.

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Logbucheintrag [auto.einfügen::datum:lfd-nr:name]. Die von meinen geschätzten Kollegen hinterlassene Ordnung ist komplex, deshalb war es mir nicht eher möglich, mit der Konstruktion einer Boje zu beginnen um die nähere Umgebung zu erkunden und somit Fracht und Schiff der Rettung näher zu bringen.

Oh. Das hier ist ja gar nicht das Logbuch. Dann kann ich mir die Luftblasen sparen. Brutus, dieser Pedant, hat eine Dienstanweisung gefunden in der steht, dass ich alles unternehmen muss um Mathilda, die alte Rostlaube, und die überaus wertvolle Fracht, von der ich Kater und Pickel bekomme, zu retten. Nachdem er verschiedene Optionen „schon mal für mich durchgerechnet“ hatte, meinte er es sei am besten, wenn ich eine Boje baue, mit Aufklärungs- und Kommunikationselektronik voll stopfe, und das Ding aussende. Die Idee an sich ist gar nicht mal so schlecht, aber die Werkstatt ist ein einziges Chaos und die Ersatzteillager sehen eher nach Halde aus. Von Teilelisten ist im System keine Spur zu finden. Bedienungsanweisungen für die Geräte habe ich auch keine gesehen, nur dutzende von Warnhinweisen im Umgang damit („Benutzen Sie den Elektronenschraubendreher nie im Hyperraum“, „Halten Sie die Schweißflamme stets von sich gerichtet“, „Der StaubEx32 darf nicht in die Hände von Kindern gelangen, Kleinkinder könnten verschluckt werden“). Es kann dauern.

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Kriemhild sagt, sie hat gute Neuigkeiten, aber sie sagt mir nicht, welche. Miststück.

(Fortsetzung folgt)

Für alle, die am Wochenende nicht da waren, verlängere ich den unglaublichen, einmaligen, nicht-zu-überbietenden und nicht zu vergessen: kreativen Wettbewerb bis morgen Abend!

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