Rückenmassage in Dubai

6. August 2007 at 1:39 (Unspezifisch, Zelluloid)

…ist ein schöner Titel, wenn einem keiner einfällt. Aber um Fleischkneterei in Boomtown Middle-East geht es hier nicht. Eher um, sagen wir, Musik. Sagen wir, es geht um Nu Jazz (ob man das auch als New Jazz schreiben darf? Oder ist es dann nicht ausreichend independent-cool und so?); naja vielleicht ist es auch Electrofunk (Elektro?) oder irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall ist die Mucke von Funkie Monkie erheblich besser hörbar als der Name vermuten lässt. Ich würde sogar sagen, sie ist richtig gut.

Ich habe mich geirrt, es geht doch nicht um Musik. Es geht um Filme, und zwar um Catwoman mit Frau Beere in der Hauptrolle. Bei einigen Szenen dachte ich, man hätte ihn besser Spiderwoman genannt, denn bisher habe ich noch nie eine Katze gesehen, die diagonal an Wänden entlanglaufen kann. Bei den Von-Dach-zu-Dach-Hüpfszenen wäre dann wahrscheinlich Grasshopperwoman angebracht, denn denen traut man es eher zu, dass sie Sätze machen können, die dem ca. Fünfzigfachen ihrer Körperlänge entsprechen. (Bei der Gelegenheit: A grasshopper comes into a pub. The bartender sees him and cheers: „Hey, I got a drink named after you!“ – „What?“, replies the grasshopper, „You got a drink called ‚George‘?“ Muahahahrrr, ’schuldigung).

Ich höre immer, man solle in einer Comicverfilmung nicht zuviel Realismus verlangen. Aber ist das nicht ein ziemliches Totschlagargument? Bei Sin City hieß es: das muss so überzogen sein, das ist eine Comicverfilmung. Okay. War ja auch cool. Bei 300 hieß es: ja klar, Piercingfetischisten, Sado-Maso-Spartaner und Kriegselefanten, die unter logistischen Meisterleistungen der Antike mühsam von Afrika bis ans Mittelmeer gebracht wurden, nur um innerhalb von zwei Szenen darin zu ertrinken – das ist okay, denn es ist eine Comicverfilmung. Naja. Von Bat-, Super-, Spider- und Haumichblau-Man brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Argh! Wer sowas sagt, hat keine Ahnung von Comics!! Nicht, dass ich die hätte, aber ich kenne immerhin ausreichend realistische, hintergründige und überaus ästhetische Comics, dass man stattdessen zu diesen Filmen eigentlich gleich sagen sollte: „Das darf so scheiße sein, das ist aus Hollywood“. Aber tun wir das nicht ohnehin?

Ein Grund mehr, auch mal die guten Seiten des Films zu betonen (ja, es geht noch um die Katzenfrau). Da wäre zu nennen Frau Beere. Auch wenn es mir schon beim Sehen des Streifens leid tat, dass sie sich derart runterhungern musste für ihre Rolle (man vergleiche mal mit dem auch ansonsten erheblich sehenswerteren „Monsters Ball“, von dessen deutscher Fassung ich übrigens aufgrund der Synchronstimmen deutlich abrate) muss ich doch gestehen, dass ich sie gerne sehe. Keine Ahnung, ob ihre schauspielerischen Leistungen besonders erwähnenswert sind, aber sie hat ein ausgesprochen hübsches Gesicht. Oh, ich sehe gerade, dass ich jegliches Niveau verliere. Was solls. Da kann ich ja problemlos ergänzen, dass Sharon Stone auch keine schlechte Figur macht, rein optisch.

So erheiternd wie deprimierend ist das Spiel „Fasse die Story in möglichst wenig Wörtern zusammen“. Auf diese Weise lassen sich aus rund hundert Minuten wenige Sekunden machen. Was für eine Kompressionsstärke! Deprimierend deshalb, weil für alle Filme, die ich gerade erwähnt habe, die Storyline die Geradlinigkeit eines Fahnenmastes hat. Monsters Ball ausgenommen; bei Sin City lasse ich mit mir reden. Dafür halte ich Starship Troopers dagegen (auch wenn ich nicht weiß, ob das eine Comicverfilmung ist): Nehmen wir die Beziehungsstory. A ist mit B zusammen. B trennt sich von A und schiebt mit C rum, während D mit A kopuliert. D stirbt, C ist ein Arsch und A und B kommen wieder zusammen. Fertig.

Was war jetzt mit den Comics? Ich bin neulich auf einen wundervollen Online-Comic gestoßen. Abgedreht, überzeichnet, aber mit ambivalenten Charakteren (von wegen dieser Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Brühe), einer ziemlich komplexen Story und einem interessanten Setting. Keine Elfen, keine Raumschiffe, kein Zweiter Weltkrieg und kein Mittelalter, nicht die Antike und keine Piraten (und keine Harald-Töpfer-Zauberstabschwinger). Und doch – von allem etwas. Nennt sich Steampunk und ist so etwas wie Jules-Verne-meets-J.R.R. Frankenstein. Messieursdames, ich empfehle Girl Genius (falls denen der Server nicht gerade mal wieder abgeschmiert ist).

Und was sagt uns das? Ach ja. Auch wenn es andere Comics* gibt, die durch das Vorhandensein einer hirnfrei produzierten Story glänzen, ist das noch lange keine Entschuldigung dafür, zusätzlich auch noch entsprechende Filme zu produzieren. Noch ein Beispiel? Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Auch eine Comicverfilmung, sogar Steampunk. Mal im Ernst, angesichts des Budgets für die Spezialeffekte (und die teuren Superstars) dürfte doch noch ein bißchen Luft im Venture Capital sein um einen brauchbaren Drehbuchautor einzustellen? Aber Vorsicht, könnte ein cooler Film bei rauskommen. Gibt es eigentlich Comicverfilmungen außerhalb Hollywoods?

Bis es soweit ist und ich, sagen wir, eine französische Verfilmung eines Steampunk-Comics mit Halle Berry in der Hauptrolle sehen darf, werde ich wohl mal die Wellnessangebote in Dubai auf ihre Moralkompatibilität überprüfen.

* Ja, im Gegensatz zu Wein werden manche Dinge mit zunehmendem Alter nicht besser.

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