Mein Rinderwahn

18. August 2007 at 16:34 (Spezifisch, Unspezifisch)

Gestern war ich mit ein paar Freunden beim Dorfitaliener. Und schon bei der öffentlichen ‚Was nehm ich denn’-Diskussion konnte ich bei der Option ‚Bolognese’ mal wieder die Klappe nicht halten: „Nix für mich, da is Rind drin.“ Dann kam die übliche ‚Was, du isst kein Rind?’ Reaktion mit dem unterschwelligem ‚Bist du bescheuert’ Tonfall und ebensolchen Blicken, vor allem von A, die ich erst vor kurzem kennen gelernt habe. Seit einiger Zeit behaupte ich in solchen Fällen augenzwinkernd, ich sei Hindu, das wird von denen, die so ein Augenzwinkern nicht verstehen dann in der Regel zwar irritiert, aber ziemlich kommentarlos hingenommen. Diesmal wurde es allerdings überraschend schnell entwertet: „Als Hindu kann man aber nur geboren werden, das kann man sich nicht aussuchen“, teilte mir A mit, und ich muss gestehen, dass ich gerade ihr dieses Allgemeinwissen am wenigsten unterstellt hätte. Aber wo sie Recht hat, hat sie Recht. Das war so Spiel-Satz-Sieg, dass ich, statt auf dem Hindu-Unsinn weiter rumzureiten („Ich bin fanatischer Konvertit“) offen eingestand: ja, gut, BSE. Eigentlich stehe ich dazu, dass ich seit Jahren kein Rindfleisch esse, aber so unvermeidbar wie für das Rind die Schlachtbank, folgt für mich dann die für BSE-Diskussion. Und spätestens dann frage ich mich immer, warum ich nicht von vornherein die Klappe gehalten habe. Wahrscheinlich weil ich den Hindu-Ulk so mag.

Aber wenn es schon sein muss, dann bitte richtig, schließlich haben die anderen ja auch ein Recht auf eine erschöpfende Antwort. Ich hielt mein Referat über BSE, über den Hype, der nach Bekanntwerden der Krankheit den Rindermarkt zerfleischt hatte und an den sich kaum noch jemand erinnern will, obwohl bis heute immer noch mehrere Fälle pro Jahr auftreten, ich argumentierte mit wohlgesetzten Worten und vielen formschönen Nebensätzen, dass die letzten Tiere, die vor dem Verbot noch mit Tiermehl gefüttert wurden, immer noch leben und stellte die Frage, was daran verkehrt sei, wenn man eben einmal konsequent ist. Ich fühlte mich, als könnte ich mit der Rede direkt vorm Zentralrat der Hindus antreten, während ich vom Nebentisch, an dem ein paar Bekannte von A saßen, irritierte Blicke erntete. Ich ignorierte die Typen, schließlich redete ich ja nicht mit ihnen und außerdem war ich gerade so schön in Fahrt. Für die Rückkehr auf den Boden der Tatsachen sorgte schließlich A, die vorher so einen Eindruck auf mich gemacht hatte. Schon während einer Pause meines Monologs hatte sie sich dem Nachbartisch gegenüber unaufgefordert und schulterzuckend gerechtfertigt, so sei das eben, wenn man mit lauter Akademikern ganz allein am Tisch säße, und nun, nach all den schönen Ausführungen, fragte sie mich schließlich: „Aber sag mal, warum isst’n du jetzt eigentlich kein Rind?“

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3 Kommentare

  1. GreenStorm said,

    WIEE, DU ISST KEIN RIND ?!

    😀

  2. Phil said,

    Ich verseuch‘ Dir mal Deinen Blog – Muuuh 🙂

  3. gnaur said,

    Mich dünkt, von Kannibalen umgeben zu sein…

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