Dumme Fragen ans Kleinhirn

12. August 2007 at 17:46 (Spezifisch, Unspezifisch)

Wenn ich mir copyrightgeschützes Material bei Youtube ansehe, begehe ich dann eine strafbare Handlung? Wenn ich mir strafbare Handlungen bei Youtube ansehe, begehe ich dann eine moralische Verfehlung? Wenn ich mir stundenlang vollständig hirntote Clips bei Youtube ansehe, habe ich dann eine Verbesserung gegenüber hirntoten Clips bei MTV erreicht, oder, mangels Jaud´scher Salsaärsche eine Verschlechterung, und wonach bemisst sich die Güte, wenn ich meinen IQ in beiden Fällen unter Raumtemperatur gedrückt halte? Nennt man es Synthese, wenn ich mir bei Youtube MTV-Clips ansehe? Ist das strafbar? Kann Synthese strafbar sein? Ist vorsätzlicher Hirntod strafbar? Oder nur gewollt? Wieso finde ich dazu nichts bei Google, und hat es damit zu tun, dass Google Youtube gekauft hat?

Halten wir fest: Dummheit ist per se nicht strafbar, aber bei Vorsatz moralisch verwerflich, allerdings copyrightgeschützt. Ein Copyright ist gesetzlich kodifiziert geschütztes geistiges Eigentum. Gesetze basieren auf, ebenfalls in Gesetzesform gegossenen, allgemeinen moralischen Regeln und Normen. Es handelt sich also um moralisch fundierte Morallosigkeit. Ein Paradoxon*? Paradox ist es jedenfalls, den Begriff „geistiges Eigentum“ zu verwenden, wenn dieser „Geist“ sich irgendwo zwischen Kleinhirn und Rückenmark leise sabbernd versteckt hält.

Da ich gerade am Fragen bin, muss ich mir natürlich auch die Mutter aller Fragen stellen, nämlich, warum ich überhaupt frage. Zumal ich bei Youtube nur gelegentlich anfallsartig, bei MTV so gut wie nie konsumiere. Warum also diese inquisitiv-zynische Tirade? Ich kann mir doch aussuchen, mit was ich mich zuballere, also auch, mit was nicht. Aber es fällt nach wie vor schwer sich die auszusuchen, die sich ihrerseits diese Wahlfreudigkeit erhalten haben. Ui, so schnell war ich noch nie von jetzt auf gleich beim Thema Blogosphäre angelangt, das ich damit reflexartig auch gleich wieder für abgeschlossen erkläre.

Frage ich lieber wieder, warum ich mir ohne zu zahlen, geschweige denn denken, meine Two Stupid Dogs Dosis bei Youtube gebe. Mangels Alternative? Selbst Schuld. Zeit, wieder was zu lesen. Aber nicht mehr Jaud.

*) Wer’s glaubt…

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Künstler sind praktische Philosophen

10. August 2007 at 14:45 (Spezifisch)

Fiel mir grad ein. Vielleicht ist was dran.

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Ein sehr kurzer Dialog

8. August 2007 at 23:57 (Spezifisch)

EinRingSieZuKnechten
Quelle

ER: Willst du mich heiraten?

SIE: Warum, vertraust du mir nicht?

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Austrian Psycho

8. August 2007 at 22:51 (Unspezifisch)

Hm, da gibt man seinen Senf zu einem Thema, und dann vergisst man ganz, die Antwort zu lesen. Zumindest in diesem Fall ein grobes Versäumnis, da hier Die Julia das ausgebreitet hat, was ich für eines der wertvollsten und persönlichsten Dinge halte: einen Traum. Sicher, wenn ich hier von meinen Träumen schreibe (und das tu ich), dann lass ich ebenfalls das weg, was den Psychoanalytiker wirklich erfreuen würde; trotzdem finde ich, dass ein erzählter Traum, zumindest wenn man weiß, dass es ein solcher ist, einen Menschen ziemlich grundsätzlich offenbart. Auch wenn die Bilder sehr abstrakte Metaphern sind, deren Bedeutung nur der wirklich kennt, der den Traum gehabt hat.

Jedenfalls wäre es interessant zu erfahren, woher sie ihren psychopathischen Mörder genommen hat (um ein Beispiel zu geben: in „Batman begins“ gab es par exemple einen anzugtragenden Bösling, der ziemlich handsome war), und weiter, welche Angst dieser Albtraumverfolger bedeutete. Für mich ist Letzteres nicht so spannend, denn das geht mich nix an, Ersteres hingegen wäre schon lustig zu ergründen.

Wie dem auch sei: danke. Ich wünsche weniger Nightmares on Elm Street und stattdessen Gute Nacht.

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Mein Leben mit mir selbst (10)

8. August 2007 at 0:48 (Spezifisch)

WelttraumDer Morgen begann eigentlich gut. Eine große Kanne Kaffee für mich, LamdaTod auf voller Lautstärke und schön lang duschen. Aber dann war plötzlich die Mucke weg, und als ich übellaunig und klatschnass aus dem Bad kam, saß da Gerry mit dunklen Augenringen und beschwerte sich, dass ich ihn um unmögliche Dinge bitte. Künftig würde er sich von mir nichts mehr sagen lassen und stattdessen mich schicken, wenn es was zu tun gäbe. Ich solle ihm nicht weiter ins Handwerk pfuschen und diese grausame Musik nicht mehr anmachen, sagte er. Ich habe nicht darauf geantwortet und weitergeduscht.

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Es muss etwas geschehen. Selbst die Mäuse lassen sich nicht blicken, wenn er da ist, und er ist fast immer irgendwo unterwegs. Heute hat er die überfluteten Teile des Maschinenraums abgedichtet und dann trocken gelegt. Das hätte ich auch geschafft, aber ich musste ja zuerst die Boje bauen. Trotzdem führt er sich auf wie mein Retter und behandelt mich wie einen Vollidioten. Zumindest ist es nicht sehr heldenhaft, einen Idioten in Unterhose zu retten, der zudem gar nicht von diesem Egomanen gerettet werden will. Seltsamerweise tröstet mich der Gedanke nicht.

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Dieser Mörder. Er hat Kriemhild deinstalliert. Kriemhild! Deinstalliert! Um Systemressourcen frei zu machen! Zum ersten Mal bin ich wirklich wütend geworden, aber er hat meinen Ausbruch nur mit einem Achselzucken quittiert und mir einen Speicherkristall mit dem „Backup“ in die Hand gedrückt. Ich rede nicht länger mit ihm.

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Während mir Mr. Gerry Poman seit einer geschlagenen Stunde erzählt, wie er die Nasenroboter auf Neurosis III im Blindflug ausradierte, während er parallel an der Installation eines Druckkonverters für den Unterwasserbetrieb der Triebwerke bastelt, habe ich in aller Ruhe Brutus eine kleine Absurditätsschleife einprogrammiert. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er sie findet. Eben klagte Gerry darüber, wie schwer es sei, fähige Ghostwriter für alle seine Abenteuer zu bekommen. Übrigens war er nur auf Neurosis III unterwegs, weil er dort einen Termin mit seinem Verleger hatte. Und ich dachte, ich sei der, der sich seine Probleme selber macht.

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Gerry hat fast – leider nur fast, wie ich sagen muss – einen Herzanfall bekommen, sagte er sagte zumindest. Dann warf er mir Worte wie „unverantwortlich“, „wahnsinnig“, „total bekloppt“ und „Scheiße“ an den Kopf, und nach einiger Zeit fand ich heraus, dass sein Anfall im Zusammenhang mit meiner aktuellen Mausefalle stand. Dabei hatte ich eigentlich nichts weiter getan, als Laderaum eins und drei zu verminen und ein paar Flammenwerfer zu installieren. Die Krönung meiner Konstruktion war jedoch die vollautomatische Klebersprühdüseninstallation, deren feiner Klebernebel die Mäuse festpappen sollte. Sie hatte Gerry an der Luke zum Laderaum festgepappt, wofür er mir eigentlich hätte dankbar sein sollen, denn während seiner zweistündigen Befreiungsaktion hatte er genug Zeit, die Minen zu bemerken. Er aber ließ mein Mäuseargument nicht zu. Zumindest konnte Brutus ihm bestätigen, dass ich seit längerem auf Mäusejagd war, er stieß mir aber sogleich das Messer in den Rücken als er anfügte, dass es an Bord gar keine Mäuse gäbe. Verräter. Gerry schließt jetzt beim Schlafen die Tür ab. Soll er doch. Mir glaubt hier ja ohnehin keiner mehr.

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Ich bin gegangen. Ich habe mein Ränzlein gepackt, alle meine Daten auf einen Speicherchip verschoben, Kriemhild und ein paar Tüten Chips eingesteckt und habe mich, während Gerry schlief, davon gemacht. Ich gebe zu, das war vielleicht nicht sehr ehrenhaft, aber in seiner Rettungskapsel war kein Platz für zwei, und zuvor war über konventionellen Funk eine Anfrage von einem im Orbit kreisenden Weltraumfrachter gekommen, ob noch Bedarf an Rettung bestünde, und warum ich über Hyperraumfunk nicht mehr erreichbar sei. Also habe ich Gerry sowohl seinen Schlaf als auch seine unvollendeten Heldentaten gelassen – wie hätte ich ihn wecken sollen? Er hatte sich doch eingeschlossen – und bin in die Umlaufbahn gestartet, wo ich alsbald an Bord der „Marianne Marlborough“ ging. Ich denke, dass er das Schiff bald repariert haben wird. Er hat auf jeden Fall noch 68 Jahre Zeit.

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Wir fliegen. Man hat mir ein eigenes Quartier zugewiesen, denn das Schiff ist ziemlich geräumig, so dass man sich kaum über den Weg läuft, wenn man nicht will. Es hängt auch damit zusammen, dass die Hälfte der fünfköpfigen Crew bereits gestorben ist, weil die Reise schon an die zwanzig Jahre dauert. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, was genau mit dem Zweieinhalbten passiert ist. Dann verteilte ich meine Gastgeschenke, die Chips; und der greise Kapitän wies mir schließlich, zufrieden mampfend, den gleichen Job wie auf Mathilda zu: ich darf wieder Schiffskoch sein.

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Als erstes habe ich Bier und Chips von der Speisekarte gestrichen.

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Wir sind nun auf dem Weg gen irgendwo. Es gibt da eine Station im östlichen Pferdesalaminebel, wo die Zigaretten ausgegangen sind. Ich habe es mir erklären lassen: nachdem ihnen die Zigaretten ausgegangen waren, schickten sie eine Bestellung zweiundzwanzig Jahre in die Vergangenheit. Ganz einfach. (Natürlich kann man nicht zurück in die Vergangenheit, aber man kann eine Nachricht per Hyperraum in die Zukunft schicken, und da die Zeit ja bekanntermaßen im Kreis verläuft, kommt sie eben gestern an). Man müsste also sagen, dass es eine Station ist, der die Zigaretten ausgegangen sein werden, sobald wir dort eintreffen. Entsprechend ist die voraussichtliche Restflugzeit zwei Jahre. Zwei ruhige, entspannte Jahre auf diesem schönen, großen Schiff, wo ich mein Leben in aller Ruhe leben kann, mit ein paar Tattergreisen, die mich einerseits daran erinnern, dass ich nicht die einzige Seele im Universum bin, die andererseits nur nerven, wenn ich sie darum bitte. Ein Leben also, welch ein Glück, nicht ganz nur mit mir selbst.

Ende


Wie versprochen: Die gesamte Geschichte als PDF (204 kB). Hey, ich habe sogar ein hübsches Cover gebastelt! Wat bin ich stolz. Und um ehrlich zu sein, ich bin froh, dass ich das Ding abgeschlossen habe, erstens, weil es einfach irgendwie befriedigend ist, etwas, das man angefangen hat, auch zuende zu bringen; zweitens, weil ich mich hier jetzt wieder mehr auf ernsthafteres Schreiben konzentrieren kann.

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Freiwillig hier

7. August 2007 at 18:23 (Spezifisch)

„Bist du freiwillig hier?“, fragte mich das Mädchen mit den kurzen, schwarzen Haaren und ein leises, pieksiges Kribbeln lief mir den Rücken herab, denn sie hatte mir die Worte aus dem Mund genommen und mir gleichzeitig klar gemacht, dass ich mir diese Frage selbst nicht gestellt hatte. „Ich glaub schon“, sagte ich und lächelte entschuldigend. Neben uns an der Hafenmole lag ihr Citroen am Anleger, das ehemals weiße Auto hatte sie mit einem verwirrenden, nautilusartigen Muster aus cremefarbenen und erdbraunen Bändern bemalt, der kleine Mast sah viel zu winzig aus, um ein anständiges Segel tragen zu können, passte aber von den Proportionen her sehr gut zum Wagen. „Ich habe mir gleich gedacht, dass das dein Auto ist“, hatte ich ihr gesagt, „er ist mir schon bei meiner Ankunft aufgefallen.“ Und dann hatte ich gesagt: „Zeig mir mehr.“

Während wir durch die weitläufigen Flure der im modernen Betongraubaustil errichteten Institution, einer Art Melange aus Universität und Pensionat – also entweder einer Institution mit Privatflair oder einem Wohnheim mit offiziellem Anstrich – geschlendert waren, hatte sie mir die Frage in dem Moment gestellt, als ich sie, am Ende meines Gedankenganges, der sich um das Verstehen dieses Ortes drehte, angelangt war, selber stellen wollte. „Welche Frage hast du dir zuletzt gestellt?“, entgegnete sie, ohne auf die Unbestimmtheit meiner Antwort einzugehen, und ergänzte: „Ich meine, dir selbst.“

„Manchmal brauchen wir jemanden, der uns sagt: ‚Was du denkst, ist Unsinn’“, antwortete ich nach einer Sekunde, in der ich mich, statt mich nach der Bedeutung ihrer Frage zu fragen, fragte, was Gegenstand dieser mir selbst gestellten Frage gewesen war, „und manchmal brauchen wir einen Menschen der sagt: ‚Ja, dein Gedanke ist völlig richtig!’. Leider haben die meisten Menschen die Fähigkeit, entweder nur zustimmen oder nur ablehnen zu können, so dass man sich zuweilen mit den einen, zuweilen mit den anderen umgeben sollte, oder gleich die aufwendige Suche nach einem, der beides kann, beginnen muss.“ Wir kamen durch ein breites, helles, aber menschenleeres Treppenhaus während sie entgegnete: „Also, ich halte das für eine etwas eingeengte Sichtweise. Natürlich stimmt es irgendwo, aber du übersiehst, dass ‚die Anderen’ nicht so einfach gestrickt sind. Ein Mensch besteht aus mehr als seiner Reaktion auf deine Gedanken und wenn du die Leute nur unter diesem Gesichtspunkt betrachtest, wirst du zwangsläufig in eine Sackgasse kommen.“ – „Ich gebe es zu, mein Blickwinkel mag etwas eng sein. Ich denke, dass man eben das fokussiert, was einen momentan am meisten beschäftigt. Danach hast du ja gefragt.“ – „Wieso sprichst du dann von ‚uns’ und ‚man’? Es geht doch um dich, oder nicht?“ – „Entschuldige, ich versuche eben immer, die Dinge zu verallgemeinern; eine Regelmäßigkeit zu finden“, sagte ich, doch sie entgegnete: „Ich glaube, wenn ich dich so ansehe, dass du etwas anderes dabei fühlst als das.“ Überrascht, während ich kaum mitbekam, wie uns der Weg die Treppen hinauf auf ein parkdeckartiges Dach geführt hatte, sagte ich: „Es ist fast, als könntest du Gedanken lesen, vor allem die, die ich selbst kaum wahrnehme.“ – „Zuhören und Telepathie… wahrscheinlich nicht dasselbe.“ – „Also schön, meine wenig ich-bezogenen Antworten kommen wahrscheinlich daher, dass ich es nicht gewohnt bin, von mir selbst zu sprechen. Mangelnde Gewohnheit oder mangelnder Mut, oder beides. Ich bin es nicht gewohnt, dass man mir zuhört, oder dass sich jemand für meine Gedanken interessiert.“ – „Im Moment interessiere ich mich für dich.“ – „Entschuldige wenn ich gerührt bin, ich bin es wirklich.“ – „Warum entschuldigst du dich eigentlich für alles?“

„Findest du es nicht auch lustig, dass es ‚sich entschuldigen’ heißt? Als könne man sich seiner Schuld selbst entledigen. Das muss doch der andere tun, nicht? Und er kann es nur, wenn er der Meinung ist, ich habe tatsächlich eine Schuld.“ – „Ich glaube, ich weiß, was du meinst, aber warum beginnst du immer mit dem Fazit? Was für ein Beispiel hast du denn im Kopf?“ – „Okay, Beispiel. Nehmen wir an, ich trete jemandem auf den Fuß und sage artig mein ‚Entschuldigung“. Nehmen wir weiter an, dass ich nicht weiß, dass es ein Holzfuß war. Er blickt mich also verständnislos an und fragt: ‚Wofür?’. Ich kann mich also nicht ent-schuldigen, die Schuld kann nur er mir erlassen, und das geht nur, wenn er glaubt, dass ich eine Schuld habe.“ – „Aha. Du antwortest auf seine Frage also: ‚Ich dachte, dass ich Ihnen auf den Fuß getreten bin, aber es scheint ja nichts passiert zu sein.’ Er wird auf seinen Fuß blicken und den hässlichen Fußabdruck auf seinem frisch polierten Schuh sehen. Dann sagt er: ‚Was, nichts passiert? Sie sind mir auf den Fuß getreten!’. Jetzt kannst du nur noch hoffen, dass du mit deinen zwei gesunden Füßen schneller laufen kannst, als er mit seinem Holzfuß, denn er ist einsneunzig und Bodybuilder.“ – „Wenn er das nicht wäre, hätte ich mich gar nicht erst zu entschuldigen versucht.“ – „Ein klassisches Dilemma.“ – „Tragisch.“

„Wenn das Problem darin liegt, dass keiner dir zuhört, warum stellst du dir dann Fragen danach, wie man dir zuhört?“, fragte sie mich, während wir die Wendeltreppe aus blau lackiertem Stahl hinuntergingen. Jeder Schritt hallte und brachte die ganze Konstruktion leise zum Zittern. „Warum fragst du?“, fragte ich, und sie sagte „oh“.

Die Sonne hatte sich verschluckt, der Tag war zu Ende gegangen und wir hatten uns verabschiedet; jeder war in die Halbheit seiner Welt zurückgekehrt, während der Mond blass die leer zurückgebliebene Nacht ausleuchtete.

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Unkreatives zur Kreativität

6. August 2007 at 11:43 (Unspezifisch)

Schreiben ist manchmal wie träumen – man muss eine Idee glauben, als Voraussetzung hinnehmen, so als sei sie kein austauschbares Produkt der eigenen Phantasie, sondern ein Faktum der Realität. Wer käme, außer in einem Klartraum, schon auf die Idee, die Wahrheit der Existenz seiner Traumbilder anzuzweifeln? Genauso sollte der Schreiberling bei den Dingen, die er sich ausdenkt, einfach mal nicht solange daran herumfeilen, bis sie „perfekt“ sind (die der Realität entlehnten Fakten behandelt man ja auch nicht anders).

Dann kann man statt eines von A bis Z durchgeplanten Märchens einen Erkenntnisprozess beim Schreiben erleben, quasi ein „Wenn A, dann B“ anstelle von „Wenn ich B will, wie sollte ich dann A wählen?“. Und der Leser hat die Chance, sich seine eigenen Gedanken zu machen; dem Autor zuzustimmen oder – bei gleichem A – zu einem anderen B‘ zu kommen.

Und deshalb bin ich so ein Fan von Träumen, weil sie gleichzeitig phantastisch und authentisch sind, was man von vielen Schrieben im „Märchen“-Stil nicht behaupten kann.

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Rückenmassage in Dubai

6. August 2007 at 1:39 (Unspezifisch, Zelluloid)

…ist ein schöner Titel, wenn einem keiner einfällt. Aber um Fleischkneterei in Boomtown Middle-East geht es hier nicht. Eher um, sagen wir, Musik. Sagen wir, es geht um Nu Jazz (ob man das auch als New Jazz schreiben darf? Oder ist es dann nicht ausreichend independent-cool und so?); naja vielleicht ist es auch Electrofunk (Elektro?) oder irgendwas dazwischen. Auf jeden Fall ist die Mucke von Funkie Monkie erheblich besser hörbar als der Name vermuten lässt. Ich würde sogar sagen, sie ist richtig gut.

Ich habe mich geirrt, es geht doch nicht um Musik. Es geht um Filme, und zwar um Catwoman mit Frau Beere in der Hauptrolle. Bei einigen Szenen dachte ich, man hätte ihn besser Spiderwoman genannt, denn bisher habe ich noch nie eine Katze gesehen, die diagonal an Wänden entlanglaufen kann. Bei den Von-Dach-zu-Dach-Hüpfszenen wäre dann wahrscheinlich Grasshopperwoman angebracht, denn denen traut man es eher zu, dass sie Sätze machen können, die dem ca. Fünfzigfachen ihrer Körperlänge entsprechen. (Bei der Gelegenheit: A grasshopper comes into a pub. The bartender sees him and cheers: „Hey, I got a drink named after you!“ – „What?“, replies the grasshopper, „You got a drink called ‚George‘?“ Muahahahrrr, ’schuldigung).

Ich höre immer, man solle in einer Comicverfilmung nicht zuviel Realismus verlangen. Aber ist das nicht ein ziemliches Totschlagargument? Bei Sin City hieß es: das muss so überzogen sein, das ist eine Comicverfilmung. Okay. War ja auch cool. Bei 300 hieß es: ja klar, Piercingfetischisten, Sado-Maso-Spartaner und Kriegselefanten, die unter logistischen Meisterleistungen der Antike mühsam von Afrika bis ans Mittelmeer gebracht wurden, nur um innerhalb von zwei Szenen darin zu ertrinken – das ist okay, denn es ist eine Comicverfilmung. Naja. Von Bat-, Super-, Spider- und Haumichblau-Man brauchen wir gar nicht erst anzufangen. Argh! Wer sowas sagt, hat keine Ahnung von Comics!! Nicht, dass ich die hätte, aber ich kenne immerhin ausreichend realistische, hintergründige und überaus ästhetische Comics, dass man stattdessen zu diesen Filmen eigentlich gleich sagen sollte: „Das darf so scheiße sein, das ist aus Hollywood“. Aber tun wir das nicht ohnehin?

Ein Grund mehr, auch mal die guten Seiten des Films zu betonen (ja, es geht noch um die Katzenfrau). Da wäre zu nennen Frau Beere. Auch wenn es mir schon beim Sehen des Streifens leid tat, dass sie sich derart runterhungern musste für ihre Rolle (man vergleiche mal mit dem auch ansonsten erheblich sehenswerteren „Monsters Ball“, von dessen deutscher Fassung ich übrigens aufgrund der Synchronstimmen deutlich abrate) muss ich doch gestehen, dass ich sie gerne sehe. Keine Ahnung, ob ihre schauspielerischen Leistungen besonders erwähnenswert sind, aber sie hat ein ausgesprochen hübsches Gesicht. Oh, ich sehe gerade, dass ich jegliches Niveau verliere. Was solls. Da kann ich ja problemlos ergänzen, dass Sharon Stone auch keine schlechte Figur macht, rein optisch.

So erheiternd wie deprimierend ist das Spiel „Fasse die Story in möglichst wenig Wörtern zusammen“. Auf diese Weise lassen sich aus rund hundert Minuten wenige Sekunden machen. Was für eine Kompressionsstärke! Deprimierend deshalb, weil für alle Filme, die ich gerade erwähnt habe, die Storyline die Geradlinigkeit eines Fahnenmastes hat. Monsters Ball ausgenommen; bei Sin City lasse ich mit mir reden. Dafür halte ich Starship Troopers dagegen (auch wenn ich nicht weiß, ob das eine Comicverfilmung ist): Nehmen wir die Beziehungsstory. A ist mit B zusammen. B trennt sich von A und schiebt mit C rum, während D mit A kopuliert. D stirbt, C ist ein Arsch und A und B kommen wieder zusammen. Fertig.

Was war jetzt mit den Comics? Ich bin neulich auf einen wundervollen Online-Comic gestoßen. Abgedreht, überzeichnet, aber mit ambivalenten Charakteren (von wegen dieser Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Brühe), einer ziemlich komplexen Story und einem interessanten Setting. Keine Elfen, keine Raumschiffe, kein Zweiter Weltkrieg und kein Mittelalter, nicht die Antike und keine Piraten (und keine Harald-Töpfer-Zauberstabschwinger). Und doch – von allem etwas. Nennt sich Steampunk und ist so etwas wie Jules-Verne-meets-J.R.R. Frankenstein. Messieursdames, ich empfehle Girl Genius (falls denen der Server nicht gerade mal wieder abgeschmiert ist).

Und was sagt uns das? Ach ja. Auch wenn es andere Comics* gibt, die durch das Vorhandensein einer hirnfrei produzierten Story glänzen, ist das noch lange keine Entschuldigung dafür, zusätzlich auch noch entsprechende Filme zu produzieren. Noch ein Beispiel? Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Auch eine Comicverfilmung, sogar Steampunk. Mal im Ernst, angesichts des Budgets für die Spezialeffekte (und die teuren Superstars) dürfte doch noch ein bißchen Luft im Venture Capital sein um einen brauchbaren Drehbuchautor einzustellen? Aber Vorsicht, könnte ein cooler Film bei rauskommen. Gibt es eigentlich Comicverfilmungen außerhalb Hollywoods?

Bis es soweit ist und ich, sagen wir, eine französische Verfilmung eines Steampunk-Comics mit Halle Berry in der Hauptrolle sehen darf, werde ich wohl mal die Wellnessangebote in Dubai auf ihre Moralkompatibilität überprüfen.

* Ja, im Gegensatz zu Wein werden manche Dinge mit zunehmendem Alter nicht besser.

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Schnee im August

5. August 2007 at 12:13 (Spezifisch)

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Ich weiß wie Schnee im August
Margeriten zertratst Du im Gehen
Da Du nicht mehr vorüber musst
Werden wir uns nicht mehr sehen.

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Mein Leben mit mir selbst (9)

3. August 2007 at 14:19 (Spezifisch)

WelttraumWieder ist einige Zeit vergangen, viel passiert und ich habe kaum Zeit gefunden, all das aufzuschreiben. Das Wichtigste zuerst: ich bin nun nicht mehr allein an Bord. Seit gestern ist mein Rettungsteam da. Und das gibt mir nun wiederum jede Menge Stoff zum Schreiben. Aber ich fange mal vorne an.

Natürlich hing alles mit der Boje und dem Frequenzspektogramm zusammen. Nachdem ich die Boje durch die Schleuse ins Meer gesetzt hatte, ließ ich sie auf Erkundungstour gehen, genauer, Brutus steuerte sie, während ich dafür sorgte, dass er weiterhin die Analyse der verschiedenen Frequenzbänder des Hyper-, Super- und Ottonormalraumes durchführte. Gegen Mittag hatte er festgestellt, dass wir uns in einem Wurmfortsatz der dritten Wellenlänge des Hyperraumes befinden, und setzte über die Boje unser Notrufsignal ab. Weiterhin gelangen uns ein paar hübsche Außenaufnahmen im Röntgenspektrum: wir sitzen auf einem schönen, kleinen Plateau aus Uranerz, das von einer sirupzähen Flüssigkeit aus einer teerähnlichen Substanz umspült wird. Der Ozean selbst könnte aus Wasser bestehen, aber Genaues konnten wir mangels Sensoren (und Fachwissen) nicht herausfinden.

Gegen Mittag des nächsten Tages kam dann eine Antwort auf unseren Notruf. Ein Sternenfahrer und bekannter Held war ganz zufällig gerade in der Nähe und versprach uns, uns nebenbei zu retten. Und ehe wir uns versahen, hatte er mit seinem Schiff auch schon an der Schleuse angedockt. Dass er dabei das Kabel zur Boje durchtrennt hatte, war ihm gar nicht bewusst geworden. Und dann stand er auch schon in der Tür: Gerry Poman, größter Held diesseits der Milchstraße und mein einköpfiges Rettungsteam. Das erste, was er sagte war: „Hunger“, und das zweite: „Warum hast´n du nur ne Unterhose an?“.

Um die Sache kurz zu machen: Er hatte nicht mit seinem Schiff sondern nur mit seiner Rettungskapsel angedockt, nachdem er seinen tollen Raumschlitten nämlich im pechschwarzen Tiefenozean versenkt hatte und selbst nur mit knapper Not entkommen war. Toller Held. Seitdem frisst er mir die Chips weg.

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Gerry geht mir permanent auf den Keks. Wenn er nicht gerade den Mund voller Chips oder Bier oder beidem hat, erzählt er unaufhörlich von seinen zahlreichen Abenteuern, die er alle bravourös gemeistert hat, und wenn er ausnahmsweise doch einmal nicht davon spricht, pfuscht er mir im Bordcomputer oder der Elektronik herum. Sage ich ihm, er soll die Finger davon lassen, fängt mit Fachdiskussionen an, von denen ich nichts verstehe, und die er früher oder später mit einer Anekdote aus einem seiner zahlreichen, dämlichen Abenteuern verbindet, womit er wieder beim Schwadronieren ist. Die einzige Möglichkeit, ihn gewaltfrei zum Schweigen zu bringen ist, ihm Chips oder Bier anzubieten.

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Aus Frust habe ich mir die Außenaufnahmen der Boje noch einmal angesehen. Unser Schiff sieht von außen aus wie ein wakirischer Schlotapfel, oder, um es mit irdischen Begriffen zu sagen, wie ein Baum, dem man alle Äste abgeknickt hat. Die ganzen ehemaligen Außenaufbauten hängen traurig herab oder fehlen ganz. Der Mast der Fockantenne baumelt sanft in der schwachen Strömung, und ich habe den Verdacht, dass er für das Klopfen neulich verantwortlich sein könnte.

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Die Mausefalle hat funktioniert. Leider habe ich doch keine Bilder von der Maus aufnehmen können, weil die Kameras dabei beschädigt wurden. Ich muss das Konzept noch einmal überprüfen, habe aber die Vermutung, dass es mit der sternförmigen Anordnung der Brenndüsen zusammenhängt – die es übrigens auch nicht mehr gibt. Überhaupt hat sich die Konstruktion restlos selbst vernichtet, nur ein schwarzer Fleck und zwei leckgeschlagene Fässer Altbier zeugen noch von ihrer Existenz. Ich habe es Brutus gar nicht erst erzählt.

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Zwei Stunden habe ich gebraucht, um Kriemhild in einen tränenreichen Schlaf zu wiegen, sofern man bei einem Computerprogramm von Wiegen sprechen kann. Zwei Stunden, denn nachdem Gerry sie einer Psychoanalyse unterzogen hatte, konnte ich ihren Heulkrämpfen gerade noch entnehmen, dass sie nun erwiesenermaßen neurotisch-depressiv mit schizophren-suizidalen Zügen und introvertiert-frustrativen Sprenkeln sei, und dass sie sterben wolle und ihr der Sinn des Lebens ebenso egal wie gleichgültig, und außerdem schnuppe sei. Ich musste ihr auf Schaltkreisebene ein hartes Chipsedidativum verabreichen und alte Wiegenlieder singen, bis sie endlich in einen Hibernate-Modus mit Schluckauf fiel. Ich frage mich, warum ich Gerry überhaupt gewaltfrei zum Schweigen bringen will.

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Das ist mein letzter Eintrag für heute. Eigentlich war ich schon im Bett, aber Gerry, dieser aufgeblasene Vollheld, hat mich eben noch einmal geweckt und mir mitgeteilt, dass er das Schiff demnächst soweit repariert hätte, dass wir damit wieder starten könnten. Dann schüttete er sein Fachchinesisch über mich aus, bis ich ihm eine halbvolle Tüte Crustmaxx Ultra an den Kopf warf und ihn bat, er möge den Zündschleifenlauf der Anionisierungseinheit in Turbine 12-B galvanisch überprüfen. Der Trick klappte, wie immer. Ich habe ihn mir vor Jahren bei meinem technischen Ausbilder abgeschaut. Irgendwer hat mir mal erklärt, dass eine galvanische Überprüfung von Zündschleifenläufen wie die Quadratwurzel aus minus Eins sei, aber solange der Trick funktioniert, muss ich das nicht verstehen. Hauptsache, ich habe meine Ruhe.

(Fortsetzung folgt)

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