Fluglärm hör ich nich

30. Dezember 2007 at 2:52 (Unspezifisch)

denn der böhse Nachbar hört Onkelz. Muss mein Geschirr festhalten, sonst zittert es sich womöglich aus dem Schrank. Hat wahrscheinlich Angst. Ich hab keine. Dies ist ein dunkler Ort, ich hab Licht angemacht. Dann tape ich die Schränke zu und gehe duschen. Danach einkaufen. Finde aber weder Uzis noch Handschuhe mit Bleieinlagen. Kaufe stattdessen Brot und Wurst. Angenehm, vom Straßenlärm umgeben zu sein. Beruhigend leise. Fast kann man die Flugzeuge wieder hören.

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Fluch der späten Geburt

23. Dezember 2007 at 21:47 (Spezifisch, Unspezifisch)

…man hat weniger Zeit Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

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23. Dezember 2007 at 3:35 (Spezifisch)

Eine Schreibblockade ist wie… wie… ach Scheiße, mir fällt keine Metapher ein.

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Das Märchen vom kleinen Gigant

21. Dezember 2007 at 0:14 (Spezifisch)

Es wird einmal gewesen sein, vor langer Zeit, da herrschte ein großer Krieg. Hügelige Gebirge mächtiger Schutthalden erhoben sich wo einst Städte waren, und in den Spalten und Ritzen des Gewirrs aus verbogenen Stahlträgern, Beton und Resten von Plasmafernsehern lebte Vidad, die Maus. Vidad war eine dunkelbraune Maus, und Mama Maus musste beim Konservendosensuchen mit ihren dreiundzwanzig Kindern aufpassen, dass ihr die kleine Vidad nicht versehentlich aus den Augen geriet. „Vidad!“, rief sie dann, „Bleib bei uns sonst findet Dich der große Mülltreter noch!“ Der große Mülltreter war nämlich ein riesiges Wesen in grauer Stahlmontur, das zwischen den Halden herumstapfte und trampelte und wenn kleine Mäuschen nicht folgsam waren, dann sagte man, er suche nach ihnen. Alle hatten große Angst vor ihm und der alte Tork, die Ratte von nebenan, behauptete sogar er habe einmal gesehen, wie der Riese gewaltige Feuerstöße aus seinem Hightech-Schießgewehr abgegeben hatte.

Eines Tages waren die Mäuse wieder einmal dabei eine Konservendose mit ihren scharfen Zähnchen aufzunagen als plötzlich der Boden zitterte und die Dose in eine Ecke rollte. Und während sie zwischen einem großen Stein und den Trümmern einer Kloschüssel stecken blieb, liefen die Mäuse verängstigt durcheinander und huschten in irgendwelche Löcher und Ecken. Vidad hingegen blickte nach oben und sah einen Schatten vorbeihuschen, und der Boden bebte unter donnernden Tritten. Das musste der große Mülltreter sein! Wie lange hatte sie auf diesen Tag gewartet! Wie lange schon hatte er ihnen allen Angst gemacht, besonders ihrer Mama, die dauernd von ihm sprach, und nun war er da, und sie würde ihn besiegen.

Vidad lief flink durch ein Loch in einer fast waagerecht liegenden Wand, und dann einen langen Stahlträger hinauf, über einige große Steine, hüpfte über eine klaffende Spalte im Boden und landete auf einem leeren Zigarettenautomat, direkt zu Füßen des großen Mülltreters. Seine riesigen, klobigen Füße waren ganz aus Metall, und seine Beine schienen in den Himmel zu wachsen. Darüber ragte sein gepanzerter Leib auf, und sie konnte den Kopf mehr erahnen als sehen. Das Schießgewehr hingegen hielt der Gigant hoch im Anschlag, und der Schatten fiel auf den verbeulten Automaten und auf Vidad, die wütend ihre zur Faust geballte Pfote schüttelte.

Der Gigant senkte den Blick und betrachtete den Zwerg, der vor ihm stand. Höhnisch blitzte es in seinen Augen, starr und verachtungsvoll grinste sein Helmvisier dem Däumling entgegen, der dort in seiner Blechrüstung auf dem Hügel aus Schutt auf einem verrosteten Zigarettenautomaten stand und das Gewehr im Anschlag hatte.

Dann schoss der Mülltreter, die Titankugel blitzte, schlug ein rundes Loch in das verächtliche Grinsen und brachte das Funkeln der Augen des Giganten zum erlöschen. Er zitterte, stand starr, doch bewegte er sich, kaum merklich zunächst, aber er fiel, fiel vornüber, begrub den Mülltreter, den Zigarettenautomat und alles andere donnernd unter sich.

Da waren die Mäuse sehr traurig, als sie sahen, dass nach dem Erdbeben ihre kleine Schwester Vidad verschwunden war, und sie befürchteten schon das Schlimmste. Doch die winzige Vidad wand sich durch die zerborstenen Platten und biß sich durch die verhedderten Kabeladern. Es dauerte fast einen halben Tag, doch dann stand Vidad – zerzaust, aber unversehrt – plötzlich wieder im Mäusenest. Da war war die Freude natürlich riesig, als Mama Maus ihre Kleine wieder hatte, die Kleinste und doch die Mutigste von allen. Denn Vidad war, als einzige ohne Furcht, ganz allein dem großen Mülltreter entgegengetreten, hatte ihn in eine Falle gelockt und unter einem gigantischen Berg von Stahl, der dort vom Himmel fiel, zerschmettert. Selbst der alte Tork konnte nicht umhin zuzugeben, dass er so etwas noch nicht gesehen hatte. Lange noch blieben die Mäuschen an diesem Abend wach und Vidad musste ihre Geschichte wieder und wieder erzählen bevor sie endlich alle im kuschligen Nest einschlummerten.

Nachdem aber der große Mülltreter nun besiegt war, lebten die Mäuse glücklich und zufrieden, und falls sie nicht beim letzten Nuklearschlag gestorben sind, dann leben sie wohl noch heute.

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Keine gute Idee

18. Dezember 2007 at 19:50 (Spezifisch)

…war es, in Hanau ausgerechnet diesen Text zu lesen, hab mich schon nach der ersten Zeile geärgert. Hätte gern auch noch was Lockeres und/oder Gereimtes unters Volk gebracht. Momente wie diese sind ein bißchen im „si tacuisses…“ Stil, ich meine jetzt nicht unbedingt philosophus, aber doch irgendwie freundlicher oder einfach gemischter mansisses. Hier ist der Text.

„Keine Gute Idee“, dachte ich, als ich sah wie Helmut sein Hemd zerriss, den Mülleimer über den Kopf stülpte und dann begann, gegen die geschlossene Tür anzurennen. Zwei, Dreimal donnerte er, den Kopf voran, mit aller Macht dagegen, dann ging er zu Boden und blieb vor der immer noch geschlossenen Tür liegen. „Helmut…“, rief ich mit besorgtem Ton in der Stimme, aber er reagierte nicht. Seufzend stand ich auf, nahm die Yuccapalme und begann ihn damit zu streicheln bis er anfing zu bluten.

Maiglöckchen, dachte ich dabei, die sind wohl nichts für ihn. Aber was hätte ich sonst tun sollen? Es war ein schwieriges Gespräch gewesen. Von Anfang an hatte er dagesessen, auf der untersten Stufe der Trittleiter gegenüber meines Schreibtisches, und von dort hatte er, fahrig gestikulierend zu erklären versucht, was ihm an der Arbeit in der Abteilung nicht gefiel.

„Die Zündschlüssel zum Beispiel“, hatte er gesagt, „die zünden gar nichts, die liegen hier rum und man tritt drauf, und das tut weh, und das müsste gar nicht sein, weil…“ – „Helmut“, hatte ich ihn unterbrochen, „willst du andeuten, dass du gerne Schuhe hättest?“ – „Nein, ich meine, verstehen Sie, Herr, weil wir die Zündschlüssel hier haben, und das sind Schmerzen, nicht gerade bei einem Mal, aber so auf die Dauer, und wir bräuchten sie doch eigentlich gar nicht…“ – „Du meinst, die Zündschlüssel, die ich im Rahmen der Prozessnovationen eingeführt habe werden nicht gebraucht; meinst du?“ Er stockte. „Nein, ich meine sie werden, aber ich muss doch nicht…“ – „Also benutzt du sie nicht?“ – „Doch, sicher, aber ja nicht immer alle auf einmal, und die anderen, die hier immer rumliegen…“ – „Wer liegt hier rum?“ – „Na, die Zündschlüssel!“ – „Helmut…“ – „Entschuldigung, Herr, ich meine niemand liegt hier herum, nur die Zündschlüssel, Herr, die schon, Herr.“ – „Aha. So so…“, hatte ich gemurmelt und mir bedächtig das Kinn mit der Faust massiert ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Also, du willst dann Schuhe, ja?“ Er hatte so laut aufgeseuzt, dass es sich wie ein Schluchzer angehört hatte. „Ja, Herr. Ja, gut, Schuhe will ich. Ich meine, möchte ich, Herr, Schuhe.“

„Helmut, du kommst zu mir und du fragst mich nach Schuhen. Hast du dir mal darüber Gedanken gemacht, wie fair das gegenüber deinen Kollegen ist? Überleg mal, du fragst mich ganz persönlich nach Schuhen für dich, aber bin ich nicht für das Wohl aller verantwortlich? Was würden die anderen wohl sagen, wenn ich dir Schuhe gebe, ihnen aber keine?“ Er wurde blass und antwortete nicht. „Glaubst du das ist fair von dir, Helmut?“ – „Herr“, stammelte er, „vielleicht… ich meine, vielleicht könnten sie ja für die anderen auch…“ seine Stimme erstarb unter meinem kühlen Blick, doch dann holte er plötzlich Luft und begann neu. „Herr, es geht doch gar nicht um Schuhe…“ Ich sah ihn schweigend an, die Brauen leicht gehoben. „Es geht doch um… um…“ Langsam zog ich die Brauen zusammen. „…um Zündschlüssel… unter anderem…“ beendete er schließlich ganz leise.

Eine zeitlang sagte ich nichts, und Helmut schwieg. Er saß mit gesenktem Kopf auf der untersten Stufe seiner Leiter und blickte abwechselnd seine Handflächen, die Yuccapalme und seine nackten Füße an und nur gelegentlich hob er kurz den Kopf zu mir, um ihn sofort wieder sinken zu lassen. „Helmut“, fuhr ich schließlich fort, „eben noch habe ich mit dir über Schuhe geredet, und nun sagst du, es geht nicht darum? Ich frage dich ganz unter uns, Helmut, warum hast du dann damit begonnen?“ – „Aber… aber sie haben doch damit begonnen… Herr.“ – „Ach so, ich habe das. Hm. Und wenn ich damit begonnen habe, Helmut, dann frage ich dich weiter: glaubst du, dass ich am Thema vorbei rede? Glaubst du, dass ich mir nichts dabei denke, wenn ich etwas sage? Helmut, ich frage nur.“

Er sprang auf, setzte sich aber gleich wieder hin und rutschte nervös hin und her, während er gleichzeitig die Hände um die Rohre der Leiter krampfte. „Herr“, rief er, „die Zündschlüssel sind ja nur das eine, es gibt so viel was uns bedrückt, ich meine, was uns die Arbeit erschwert; da sind die Motten, die das Papier und die Akten fressen und die um die Glühbirnen flattern und dann tot auf unsere Bastmatten fallen, da sind die Ventilatoren, die so laut brummen, ja, einer quietscht sogar sehr, und ein anderer hat unsere Abteilungskatze letzten Monat das Leben gekostet. Und ohne die Katze haben wir wieder viel mehr Mäuse als sonst, und die fressen nicht nur Papier sondern auch unsere Rationen, und wir haben Hunger. Und die tote Katze stinkt ganz fürchterlich, Herr, und ein Fenster aufmachen, wie uns der Herr Oberbuchhaltungsassistent empfohlen hat können wir doch auch nicht, denn bei uns im Keller sind ja gar keine. Herr, ich will nicht jammern, und wir sind alle sehr genügsam. Auch die Bezahlung ist sehr gut, Herr, aber wir könnten alle sicher viel leichter und bestimmt auch mehr arbeiten, wenn es ein wenig mehr Licht und Essen hätten. Und wenn es vielleicht etwas wärmer und weniger feucht wäre, Herr, auch wenn ich zugeben muss, dass die Akten nicht mehr in den Pfützen nass werden sobald die im Winter gefrieren.“

Er seufzte tief und sackte förmlich in sich zusammen. Ich hatte seinen Ausführungen schweigend gelauscht, ich musste lauschen, denn als ich mich wieder meinen Papieren zuwenden wollte, war er immer lauter geworden. Jetzt, da er schwieg, antwortete ich. „Helmut, schau dich einmal um“, sagte ich. Er sah sich fragend um, folgte meiner Handbewegung und lies den Blick über die kahlen Betonwände streichen, über die Yuccapalme, den Mülleimer aus Blech und über den altersschwachen Schreibtisch, dann, zum Fenster, hinter dessen trüben Scheiben sich die graue Stadt abzeichnete. „Siehst du“, antwortete ich, „ich habe es hier oben auch nicht viel besser. Die Firma gibt alles für die Löhne aus. Es ist kein Geld da! Wir wollen ja helfen, aber uns sind die Hände gebunden. Helmut, es tut mir leid.“ Er schüttelte den Kopf apathisch und begrub schließlich das Gesicht in den Händen.

„Helmut“, fuhr ich tröstend und versöhnlich fort, „wenn ihr euch ein wenig mehr anstrengt geht es der Firma sicher bald besser, und dann ist auch wieder mehr Geld da. Und da ich sehe, dass du es ernst meinst, Helmut, bist du ab sofort Mappen-Inspektions-Glockenläuter, und darfst die An- und Ausfertigung der Aktenmappen überwachen. Du weißt ja, wenn alles in Ordnung ist wird das Glöckchen geläutet damit es alle wissen. Du kannst dich beweisen! Alles was ich erwarte ist eine messbare Produktivitätssteigerung, messbar im Sinne von zweistelligen Prozentzahlen, von der – ich verspreche es! – direkt ein großer Teil der Abteilung zugute kommt. Na, ist das nichts?“ – „Ein Maiglöckchen!“, schrie er mir entgegen, und dann, in wildem Gelächter, „Maiglöcken!“ Er war aufgesprungen und hatte dabei fast die Leiter umgestoßen, führte einen zuckenden Tanz vor meinem Schreibtisch auf, und dann war schließlich die Sache mit dem Hemd und dem Mülleimer passiert.

Ich stellte die Yuccapalme wieder an ihren Platz, ging zu meinem Schreibtisch zurück und setzte mich seufzend. Noch einmal warf ich einen Blick auf den leblosen Körper, schüttelte den Kopf und seufzte leise. Dann setzte ich meine Arbeit endlich fort.

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(N)achlese

16. Dezember 2007 at 13:50 (Unspezifisch)

Es hat Spaß gemacht. Nette Leute, schöner Rahmen!

Ich glaube, ich muss hier mal wieder öfter was schreiben. (Schuldigung für den)

Ansonsten danke ich denen, die das Ganze organisiert haben, maßgeblich und vornehmlich Phil, und denen, die es konsumiert haben, maßgeblich und vornehmlich Anwesende, ferner der Bahn, die mich vom Autokauf überzeugt hat, ich danke jenen, die die positiven Aspekte meines Vortrages lobten (schöne Stimme) und Scheibsters Mama, die weder Gemüse noch sich selbst mitgebracht hat. Un dat mut jet reichen. Ist ja kein Dankblog hier. So.

PS: Scheibster, der Film ist jetzt auf dem Server.

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Träumen Schafe von elektrischen Androiden?

14. Dezember 2007 at 23:33 (Unspezifisch)

Nur so…

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Brief Thoughts

11. Dezember 2007 at 22:51 (English, Spezifisch)

Take what you can get.
And get away as long as you still can take it.

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Hättest Du nicht

5. Dezember 2007 at 1:14 (Spezifisch)

Hättest Du nicht Deine Zahnbürste mitnehmen können? Warum hast Du denn diese Deine Zahnbürste da liegen lassen… Ich kann sie doch nicht einfach wegwerfen, nein, in den Müll schmeißen mag ich sie nicht, sie ist doch fast noch neu, ich hab sie Dir ja aus der frischen Verpackung geholt, für Dich, Deine Zahnbürste, fast wie neu, die könntest Du noch benutzen. Die kann ich doch nicht in den Müll werfen. Und zum Ausguß reinigen, da kann ich sie auch nicht nehmen, nicht zum Fahhradketteputzen, nicht um irgend etwas damit zu säubern, nicht nachdem Du sie benutztest um Deine schönen Zähne damit zu bürsten, und sie ist ja noch so gut wie neu. Hättest Du sie nicht einfach mitnehmen können? Nun muss ich immer an Dich denken, wenn ich sie sehe, und es ist fast so, als wärest Du noch da, und gerade dann sehe ich, dass Deine Haarbürste fehlt, die hast Du mitgenommen, und Deine Hausschuhe sind auch nicht am Platze, und diese Deine Zahnbürste ist da und ist wie ein Zahnweh, ein Zahnschmerz vom Kaputtputzen, vom Kaputtputzen der Zähne.

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Gedankenfragment

4. Dezember 2007 at 19:01 (Spezifisch, Unspezifisch)

Sie stand so fest mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen, war so unprätentiös im Leben verankert, dass ich erst als sie ging, erst aus der Distanz ihre Flügel sehen konnte und wusste: sie war ein Engel.

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