Wie gesagt

29. Mai 2008 at 22:59 (Spezifisch, Unspezifisch)

Leute die Sätze mit „Wie gesagt“ beginnen, wiederholen sich. Und wer sich wiederholt glaubt, dass er nicht genug Respekt hat um beim ersten Mal richtig angehört worden zu sein. Solche Leute haben kein Rückgrat. Und sind dumm. Wahrscheinlich. Wahrscheinlich riechen sie auch schlecht.

Aber sie können nicht halb so schlecht sein wie die Leute, die Sätze mit „Wie gesagt“ beginnen, dabei aber vorher niemals etwas Gleichlautendes von sich gegeben haben. Solche Leute nehmen die Missachtung ihrer Person zusätzlich vorweg und vermitteln dem Gesprächspartner, dass sie gerne getreten würden – lieber getreten als ignoriert scheint ihr Credo.

Das schlimmste aber ist, dass sich „Wie gesagt“ als Floskel in die Nebenhirnrinde einbrennt und in jeder Denkpause als Screensaver – oder besser: Gesprächshoheitssaver – aufpoppt. Und zwar bei jedem, der dem Scheiß lange genug ausgesetzt ist. Es ist ein Virus. Ein Virus der meinem Gesprächspartner vermittelt, dass ich so rückgratlos bin wie ich schlecht zu riechen scheine, so dumm bin wie ich mich nach ignoranzverdrängenden Tritten sehne. Bevor es ihn selbst – ein schwacher Trost – übermannt.

Oh, wie ich es hasse.

Permalink 10 Kommentare

Entgegen

29. Mai 2008 at 22:21 (Spezifisch)

Die Freiheit des Geistes legt sich in leicht gekräuselte Falten als Clara den Telefonhörer von der Gabel nimmt und den Anruf entgegen – „entgegen“, denkt sie, wie ein Offensivakt, das Schwert in der geballten Rechten, den Schild am linken Arm, das Wappen dem Feind wie auch die Waffe entgegen, und sagt „hallo?“. „Nein“, sagt sie dann nach einem kurzen Moment, legt mehr Gewicht in ihre Stimme, atmet ein, richtet sich auf wie in einer Drohgebärde, die der Anrufer nicht sehen, aber doch hören können wird, „nein“. Das hat sie mal so gelernt, aber es hat sie trotzdem ihre Luft gekostet und sie sinkt zusammen, darüber dass man zwangsläufig ausatmen und zusammensinken muss hat der Kursleiter kein Wort verloren. Schließlich seufzt sie „na gut“ und versucht wenigstens noch ein bisschen Kraft hineinzulegen. Aber der Schild ist zerbrochen als sie auflegt und „Scheiße“ murmelt.

Natürlich hat das nichts mit dem Wollen zu tun, denkt sie dann. Sie kann so wenig wollen wie sie will, aber der Notwendigkeit des Arguments hat sie doch nichts entgegen zu setzen. Sie muss ja doch. Ich muss ja doch? überlegt sie und grübelt kurz, dann sieht sie das Gesicht ihrer Großmutter vor sich. „Es muss ja doch“, hatte die kleine, hagere Frau immer gesagt – immer… nein, eigentlich hatte sie das nur in ihren letzten Jahren gesagt, und außerdem nur auf die Frage nach dem Wohlergehen. Bin ich in meinen letzten Jahren? fragt sich Clara und entscheidet sich dagegen. Geht es um mein Wohlergehen? Ja. Konsequent weitergedacht – muss es also doch? Eigentlich nein. Dann denkt sie wieder an das Argument. Im Licht der Gegenwart betrachtet sieht es so unerschütterlich aus – aber was sollte sie denn ihren Enkeln sagen, wenn sie ihnen einmal davon erzählte? Es musste ja doch? Scheiße, denkt Clara als sie aufsteht und sich eine Zigarette holt.

(…)

Permalink Schreibe einen Kommentar