Alles Scheiße

25. Juni 2008 at 0:21 (Spezifisch, Unspezifisch)

Sehr geehrter Suchender. Sie haben in der Suchmaschine Ihrer Wahl die Suchworte „Alles Scheiße“ eingegeben und sind damit hier gelandet. Nun wäre das an sich nichts Besonderes, denn in einem meiner Einträge kommen genau diese Worte vor, einem kleinen Gedicht, um genau zu sein, aber das wissen Sie sicher schon. Bemerkenswert hingegen ist die Tatsache, dass ich, egal wie unbesucht meine kleine Internetpräsenz vor sich hinexistiert, sicher sein kann, dass mindestens einmal am Tag jemand genau diese Worte benutzt um sich hierher zu verirren.

Sicherlich könnte dies ein besonders umständlicher Zeitgenosse sein, der seinerzeit die Suchergebnisse gebookmarkt hat und nun täglich die „Alles Scheiße“-Tour durchs Web macht, oder sich gar auf diese, sicherlich nicht ganz unumständliche Weise ausgerechnet mein Blog gemerkt hat. Es könnte dagegen auch sein, dass die Zahl der Menschen, die so wie Sie „alles Scheiße“ finden und nach einer Bestätigung – mithin einer Negierung – das Netz durchstreifen, ziemlich groß ist.

Wer, der ernsthaft alles Scheiße findet, sucht denn bitteschön im Netz ausgerechnet danach? Heißt Suchen nicht auch Hoffen? Wer noch hofft, der ist noch nicht verzweifelt genug. So schlimm kann es also gar nicht sein. Sie suchen eine Bestätigung. Bittesehr. Alles ist Scheiße. Jetzt können Sie das abhaken.

Beängstigend finde ich es, wie viele Leute offensichtlich ihren Frust in einer Suchmaschine artikulieren – und das in den immer selben Worten. Sie, lieber Suchender, dürfen sich gerne als von Gleichgesinnten umgeben sehen. Sie sind ein Partikel der Statistik. Ein Tropfen im Planschbecken der Enttäuschten. Das ist nicht schlimm, solange Sie daraus nicht den Schluß ziehen, dass eben alles Scheiße ist.

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Leises Dröhnen

12. Juni 2008 at 20:05 (Spezifisch)

Es nennt sich Elbling und es ist im Gegensatz zur Angabe auf dem Etikett nicht mal richtig trocken. Wenigstens ist es kalt. Aber im Grunde ist mir beides egal, Hauptsache es knallt so schnell wie möglich. Knallig ist auch meine Mucke. Frage mich, wie die Nachbarn das aushalten. Aber die halten auch die Autokorsi nach jedem Spiel aus. Ich nicht. Streß, ergo Mucke, und zwar lauter als die hupenden Halbhirne wechselnder Couleur.

Und dem Saft muß man eines lassen – der Kater ist kaum fühlbar. Wenn man das aus einer sehr kleinen Stichprobe (1) schließen kann. Wenn nicht, auch nicht so tragisch. Wie sagte Gautsch – „denk nicht heute an die Sorgen von morgen, die heißen ja nicht umsonst ‚Sorgen von morgen’ und nicht ‚Sorgen von heute’…“

Die Sonne scheint noch. Über den scheiß Wolken. Darunter breitet sich angenehm trüb das Land, angenehm, denn nichts verlangt von mir den Tag zu genießen. Kein Streß an dieser Front. Ich kann einfach mal übellaunig sein, muss mir keinen Kopf machen, habe keinen Amüsierzwang und kann mich in aller Ruhe zuschütten.

Lebe deine Träume. Oder träum dein Leben. Aphorismen rieseln in meinen Kragen während draußen der Notarzt Krach macht mit seinem Scheißmartinshorn, abgelöst von Scheißfangehupe. Haben mich doch vorhin eine Tussi, sicher erst dreizehn aber aufgetakelt wie Shakira, und ein kleiner, verzogener Achtjähriger mit bröseligem Migrationsvordergrund angegrölt, erstere mit „Deuschlaaaaand“ – wer hat 1:2 gespielt? – , letzterer mit einer weniger verständlich artikulierten Aussage, die in der Transkription viele Ös und ein paar Äs enthalten dürfte.

Gäbe es keine Scheißtage, wüssten wir mit den Guten gar nichts anzufangen. Kann man übellaunig zufrieden sein? Vielleicht.

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Eine unbequeme Wahrheit…

3. Juni 2008 at 20:30 (Spezifisch)

…mag es sein, doch ich darf mich dem nicht verschließen: ich habe Durst. Freilich. Wahrheit hin oder her, aber was ist daran unbequem? Es liegt an dem, was ich trinke: Almdudler. Ich kenne Leute, die bei der bloßen Erwähnung dieses Getränks Laute von sich geben, die sich anhören als seien sie soeben James, dem einäugigen Würger in die schaufelbaggergroßen Hände gefallen. Hals voran. Dabei sind die Hände von James gar nicht schaufelbaggergroß, das ist ein klassisches Ammenmärchen mit dem man kleine Kinder ins Bett zu bringen oder ans Almdudlertrinken zu gewöhnen versucht, vergeblich, denn albtraumgeplagte Kinder wachen meist wieder auf, und Almdudler mag man oder mag man nicht, muss wohl genetisch sein, da helfen keine Märchen.

Genetisch bedingt ist auf jeden Fall die Form der Hände von James, dem einäugigen Würger, doch einer Schaufelbaggerschaufel kommen sie nicht gleich, allein schon, weil es so etwas wie einen Schaufelbagger nur umgangssprachlich gibt; das, was da als Schaufel bezeichnet wird ist fachsprachlich der Löffel, und kann die unterschiedlichsten Ausprägungen haben, so dass der Handvergleich gar nicht zu verallgemeinern ist; wäre allerdings ein Schaufelradbagger gemeint – dies sind die riesenhaften Geräte, die oft im Braunkohletagebau zum Einsatz kommen – so müssten James’ Hände eine runde, ja, radartige Form haben, und das haben sie mit Sicherheit nicht.

Mit Sicherheit nicht ausgereift ist übrigens auch die Idee, Almdudler im Verhältnis eins zu eins mit Krombacher zu mischen, denn das resultierende Geschmackserlebnis ist – ich will nicht übertreiben und es lieber mit einem Vergleich aus dem Wintersport belegen, sind Almdudler und Bier doch oft das Getränk der Piste – ist wie ein Snowboard am linken und ein Ski am rechten Fuß und dann im Schuss auf die Schwarze, vereist, bei Nebel. Und nachts. Besoffen. James, der einäugige Würger fährt kein Ski. Seine Hände sind ungünstig geformt – zu groß – sagt man, ihm passen die Handschuhe nicht. Der wahre Grund liegt natürlich darin, dass der Würger die Behörden an den Skiorten meidet, aber das wäre keine unbequeme, höchstens eine langweilige Wahrheit, die von Ammen und Kindern gleichermaßen mit spontaner Müdigkeit quittiert würde.

Mit Gähnen quittiert haben würde auch ich diese Erläuterung, wüsste ich nicht die ganze Zeit schon ganz genau, wie sie nun geformt sind, die Hände des einäugigen Würgers. James Hände und Finger, die übrigens sehr gepflegt sind, aber ich schweife ab, o je, sind nämlich lang und dünn, so dass es halb nur ein Würgen ist, halb ist es Erdrosseln, und die Geräusche seiner Opfer erinnern fatal an die Geräusche, welche die Almdudlerverächter von sich geben, kommt das Thema darauf, auf den Almdudler meine ich, falls es darauf kommt, das kommt ja bekanntlich darauf an.

Davon ab komme ich, wende ich mich doch gerade durstiger denn zuvor dem Krombacher zu, mit dem ich James zuproste, dessen Flasche die meine aber verfehlt, da er mangels räumlichen Sehvermögens die Entfernung falsch eingeschätzt hat und mir die Flasche gegen den Kopf rammt, was bei mir wiederum spontan einsetzende Ohnmacht auslöst. Mein letzter Gedanke bevor es ockerfarben um mich wird, ist die Frage, welche Geräusche James wohl von sich geben würde, falls er Almdudler nicht mag und das Thema darauf…

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