Eine unbequeme Wahrheit…

3. Juni 2008 at 20:30 (Spezifisch)

…mag es sein, doch ich darf mich dem nicht verschließen: ich habe Durst. Freilich. Wahrheit hin oder her, aber was ist daran unbequem? Es liegt an dem, was ich trinke: Almdudler. Ich kenne Leute, die bei der bloßen Erwähnung dieses Getränks Laute von sich geben, die sich anhören als seien sie soeben James, dem einäugigen Würger in die schaufelbaggergroßen Hände gefallen. Hals voran. Dabei sind die Hände von James gar nicht schaufelbaggergroß, das ist ein klassisches Ammenmärchen mit dem man kleine Kinder ins Bett zu bringen oder ans Almdudlertrinken zu gewöhnen versucht, vergeblich, denn albtraumgeplagte Kinder wachen meist wieder auf, und Almdudler mag man oder mag man nicht, muss wohl genetisch sein, da helfen keine Märchen.

Genetisch bedingt ist auf jeden Fall die Form der Hände von James, dem einäugigen Würger, doch einer Schaufelbaggerschaufel kommen sie nicht gleich, allein schon, weil es so etwas wie einen Schaufelbagger nur umgangssprachlich gibt; das, was da als Schaufel bezeichnet wird ist fachsprachlich der Löffel, und kann die unterschiedlichsten Ausprägungen haben, so dass der Handvergleich gar nicht zu verallgemeinern ist; wäre allerdings ein Schaufelradbagger gemeint – dies sind die riesenhaften Geräte, die oft im Braunkohletagebau zum Einsatz kommen – so müssten James’ Hände eine runde, ja, radartige Form haben, und das haben sie mit Sicherheit nicht.

Mit Sicherheit nicht ausgereift ist übrigens auch die Idee, Almdudler im Verhältnis eins zu eins mit Krombacher zu mischen, denn das resultierende Geschmackserlebnis ist – ich will nicht übertreiben und es lieber mit einem Vergleich aus dem Wintersport belegen, sind Almdudler und Bier doch oft das Getränk der Piste – ist wie ein Snowboard am linken und ein Ski am rechten Fuß und dann im Schuss auf die Schwarze, vereist, bei Nebel. Und nachts. Besoffen. James, der einäugige Würger fährt kein Ski. Seine Hände sind ungünstig geformt – zu groß – sagt man, ihm passen die Handschuhe nicht. Der wahre Grund liegt natürlich darin, dass der Würger die Behörden an den Skiorten meidet, aber das wäre keine unbequeme, höchstens eine langweilige Wahrheit, die von Ammen und Kindern gleichermaßen mit spontaner Müdigkeit quittiert würde.

Mit Gähnen quittiert haben würde auch ich diese Erläuterung, wüsste ich nicht die ganze Zeit schon ganz genau, wie sie nun geformt sind, die Hände des einäugigen Würgers. James Hände und Finger, die übrigens sehr gepflegt sind, aber ich schweife ab, o je, sind nämlich lang und dünn, so dass es halb nur ein Würgen ist, halb ist es Erdrosseln, und die Geräusche seiner Opfer erinnern fatal an die Geräusche, welche die Almdudlerverächter von sich geben, kommt das Thema darauf, auf den Almdudler meine ich, falls es darauf kommt, das kommt ja bekanntlich darauf an.

Davon ab komme ich, wende ich mich doch gerade durstiger denn zuvor dem Krombacher zu, mit dem ich James zuproste, dessen Flasche die meine aber verfehlt, da er mangels räumlichen Sehvermögens die Entfernung falsch eingeschätzt hat und mir die Flasche gegen den Kopf rammt, was bei mir wiederum spontan einsetzende Ohnmacht auslöst. Mein letzter Gedanke bevor es ockerfarben um mich wird, ist die Frage, welche Geräusche James wohl von sich geben würde, falls er Almdudler nicht mag und das Thema darauf…

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2 Kommentare

  1. Michael Hoss said,

    Perfekte Kombination von zwei grundsätzlich verschiedenen Themen. Wunderbar. Zumal besonders die Verstrickung einfach köstlich ist.

  2. Jeff said,

    Eine weitere geniale Geschichte 🙂

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