Randalfinken

13. Juli 2008 at 21:14 (Spezifisch)

Elde Friedlink ersoberte sich den Kleinmond während sich am Himmel, zum Zeichen der Zustimmung, ein kleines Walabi zeigte. Kein Tropfen aber fiel, und nur ein sehr kleiner Donner war zu hören. Es berief sich ohnehin auf die Mittagszeit und –hitze, dass der Ansatz der ganzen Sache naturgemäß ausfiel, und das, obwohl Elde ihn seinerzeit waroberlengt hatte. Ganz im Schwarz natürlich, denn dort war es passiert.

Dort, dessen Randalfinken sich zungenküssend entmartinisiert hatten bevor sie zum angenehmen Teil übergeflankt waren, Dort stand dort wo sich zwei oder mehr Rübenstauden in Zementsackkübeln verlengten, wo es schwarz schien, und er mutigte sich über Elde, die besobert zu Boden gesunken war, während seine Stauden summend die ansonsten wasserlosen Öden der walabiüberlagerten Weite ignorierten.

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Weswegen wir auch immer die leicht verschnörkelten Buchstaben in der Suppe suchten.

11. Juli 2008 at 21:48 (Spezifisch)

Ich meine, wir kommen ja jetzt schon seit Jahren hierher, immer in dieses Leben hier, so was macht man ja nicht aus Spaß oder Langeweile, der Mensch muss halt was essen. Und so’n Bierchen aufs Nierchen, das geht schon mit. Naja. Es Leben ist kein Wunschkonzert.

Wir haben früher auch mehr gelacht.

Weißt du noch, die Cornichons, und dieser Witz mit dem Typen, du weißt schon, der sich die immer in die Ohren gesteckt hat. Und wie der Wirt dann einmal die Cornichons versteckt und sagt, nee, die sind aus, weißt du noch, da bestellt er Würstchen, und wie er sich die gerade ins Ohr stecken will fragt ihn der Wirt was das soll, so Würstchen ins Ohr stecken, nicht, da sagt ihm der Typ, wieso, Cornichons sind doch aus? – Naja, hm, der Witz war Scheiße, aber die dicke Conny hat so gelacht dass sie sich verschluckt und auf den Tisch gekotzt hat, und das war dann richtig ein Brüller. – Sagt man so, Brüller, nicht?

Naja, die Leute sind jetzt andere, und wir kennen die nicht mehr, die jetzt hier sind. Liegt wohl auch daran, dass wir jetzt in einer anderen Stadt leben. In unserem Alter, da lernt man ja kaum noch neue Leute kennen. Die Inge und ich. Musst ja mal so sehen, die Leute hier haben alle Familie, die haben ihre Freundeskreise. Und es ist halt schon was anderes wenn man jemanden von Kindesbeinen an kennt.

Da war doch der Günter, der uns immer verpetzt hat und der sich auf in der Pause dann immer vor uns versteckt hat. Und wie der Paul und der Erich und ich ihm dann auf dem Nachhauseweg aufgelauert haben, aber er ist uns weggerannt und hat es seiner Mutter gesagt, und die hat es unseren Eltern gesagt. Zwei Tage Hausarrest für jeden, so was schweißt halt zusammen, irgendwie. Wir waren schon ein paar Kerle. Sowas findest du nicht mehr, später, wenn du alt bist. Das ist was, entweder man hat’s, oder man hat’s nicht.

Heute ist es anders. Da gibt’s nämlich auch noch die, die können mit jedem, alle miteinander, die sind dann gleich per du mit dir, aber dann merkst du plötzlich, dass die sich nur aufspielen, die müssen den anderen beweisen, dass sie so ganz besonders mit jedem können. Falsche Hunde sind das. Am Ende erzählen sie dir stundenlang wie toll sie sind und was sie alles erlebt haben, auf ihrer letzten Reise ans rote Meer oder in die Türkei. Da trink ich lieber still mein Bier und halt’s Maul. Der Günter war jetzt auch in Ägypten, hab ich gehört.

Aber ich krieg ja nix mehr mit, die Kinder melden sich eh nie. Der Andreas und die Anne. Ist vielleicht auch besser so. Der Mann von der Anne ist nämlich auch so ein Typ, so einer von denen, die glauben, dass sie was Besseres sind. Außerdem ist er entweder impotent oder er geht fremd, sonst hätt’ er langsam mal für Nachwuchs gesorgt. Ich meine, mit der Anne, hallo. Die würde ich auf jeden Fall nicht von der Bettkante, ich mein, ist ja meine Tochter, aber wenn sie es nicht wäre, mann, sag ich mannomann. Aber muss er ja selber wissen. Was weiß ich. Bin da nicht drin. Die melden sich eh nicht.

Wir sind jetzt hier, ist so gut wie irgendwo anders, hab’s mir nicht ausgesucht. Mobil musst du sein, hab ich auch der Inge gesagt, musst du halt. Hast du zu gehorchen, wenn sie sagen sie verlagern den Standort, dann gehst du mit oder du gehst vor die Hunde. In meinem Alter. Da find mal was. Nee, hab ich gesagt, ich geh mit. Sklaverei ist das, sag ich dir, aber du musst halt. Mobil sein. Mein Alter hat noch ne persönliche Danksagung vom Chef gekriegt für sein Vierzigjähriges. Ich bin froh, dass sie mich nicht rausschmeißen. Mein Chef ist jünger als meine Kinder. Ich red da nicht gerne drüber. Hab Feierabend.

Ja, alles mal auf ganz andere Beine stellen, alles wegschmeißen und neu anfangen, da träum ich oft von. Nach Florida würd ich gehen, und ne Supermarktkette für deutsche Lebensmittel aufmachen. Ich meine, so was haben die da nicht, und unser Zeug ist besser, ganz klar, die essen ja nur Dreck, kennen gar kein anständiges Essen, nur Fast Food. Und Florida ist wie Urlaub non-stop. Ich würd sofort gehen. Aber die Inge, Florida, das ist leider nichts. Die kann nicht mit Sonne und Hitze, wenn es hier mal über dreißig Grad hat bekommt die schon einen Koller. Letzten Sommer ist die umgekippt, Sonnenstich, mit Fieber und allem. Nee, Florida, nicht für die Inge.

Die Dinge sehen anders aus wenn man sie durch Gulaschsuppe und Bier betrachtet. Da kommt man auf Gedanken, die will man sonst gar nicht wahr haben. Das endet immer so. So traurig irgendwie. Bin eigentlich nicht der Typ dafür, muss da mal was ändern. Vor allem aber muss ich morgen wieder ran, ist ja noch nicht Wochenende, und da muss ich früh raus. Geh dann mal. Inge. Tschüss auch.

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