Contenance

16. Dezember 2008 at 1:17 (Spezifisch)

„Contenance? Am Arsch die Waldfee.“ Ich ließ den Löffel ins Müsli fallen, und Adam starrte auf den kleinen Haferflocken-Matschklumpen, der sich mit leisem „Pftsch“ auf der nicht nur blütenweißen sondern auch sorgfältig gebügelten Tischdecke unseres Mahagonitisches in der Petit-Déjeuner Lounge niederließ. „Aber Du musst doch zugeben, dass wir nichts dafür können“, sagte Adam gepresst. Ich stand auf und breitete die Arme leicht aus, was Adam zuerst dazu veranlasste, gehetzt nach den anderen Gästen zu spähen, und mich dann erneut um Contenance zu bitten.

„Dass wir nichts dafür können?“, echote ich laut genug, dass selbst die Küchenschaben sich fragen konnten, was um Himmels Willen wir wohl angestellt hatten, und Adam flatterte leidend mit den Lidern über den verkatert ausgeprägten Tränensäcken. Ich senkte die Stimme und die Arme, nahm dabei wieder Platz und beugte mich vor. „Wir haben nicht nur diese Bordsteinschwalbe aufs Zimmer geschleppt sondern auch noch die ‚Mietgliedschaft’ dorthin bestellt, und du sagst, dass wir nichts dafür können?“, zischte ich. „Das war doch die Idee dieser Cazzolina Lamborghini“, rechtfertigte sich Adam schwach und nahm einen Bissen vom Rollmops. Mir fielen verschiedene Dinge wieder ein und ich schwieg einen Moment.

„Wie dem auch sei“, sagte ich schließlich, „wir müssen aus diesem Schlamassel raus.“ Ich blickte mich um und sah wie sich einige Blicke senkten. Fast flüsternd fuhr ich fort: „Das Hotelzimmer können wir abschreiben, und wir sollten hier schleunigst verschwinden.“ Adam nickte. „Aber eine Sache noch. Du bist mein bester Freund, Adam, aber wenn du mir noch einmal an den nackten Arsch fasst…“ – „Ich hab dir nicht an den Arsch gefasst, ich hab dieser Tussi…“ – „Ach, und wer hat dann bitte mir…?“ – „Boy Nummer drei war das.“ – „So, und wo waren dann Boy Nummer eins und zwei?“ – „Die haben in der Badewanne gevögelt.“ Ich dachte nach. „Na gut, das erklärt einiges. Einiges! Aber trotzdem, wenn du es noch einmal zulässt, dass mir ein Mann in deiner Gegenwart an den nackten Arsch fasst, dann kleb ich dir ne Taube an den Rücken und schmeiß dich vom World Trade Center!“ – „Das wird kein tiefer Fall…“ – „In Dresden, verdammt.“

Die wichtigen Dinge waren unter Männern geklärt. Wir ließen das Frühstück auf die Rechnung setzen und uns anschließend mit dem Taxi zum Bahnhof bringen, um dieser versauten Stadt ein für allemal den Rücken zu kehren.

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