Fatalistische Metamorphosen

7. Mai 2010 at 22:51 (Spezifisch)

Fatalistische Metamorphosen in den kontinentaltiefen Schluchten zwischen den hochhausenden, einsamen Massen. Zwischen Stahl- und Sichtbeton, Glas und Fasern aus kaltem Licht inmitten der eigenen, raumgreifenden Abwesenheit. Rücksichtslose Selbstignoranz, zynische Selbstreflexion und eine Spur Humor, kalt und verzweifelt, höhnisch und so immun wie autark. Niemand ist dem Untergang unausweichlicher geweiht als der Unbesiegbare. Großes Kino war gestern. Heute ist nichts. Emotionen wachsen nicht gut im Topf und auf Hydro, und die Freiheit die wir immer wollten ist unser sicherstes Gefängnis. Und also das Lachen hohl, Spott, der der Schwerkraft nicht entrinnen kann.

Doch all das ist von geringem Interesse, es ist weder neu noch besonders, weder gut noch schlecht, es ist so bohrend hohl wie die Leere, die jeder in sich trägt und sieht, wenn er die Augen schließt.

Und dann hatten wir plötzlich den Zustand der Hirnstarre erreicht. Sicher, das war das erklärte Ziel gewesen, aber irgendwie hatte niemand damit gerechnet, dass es gerade jetzt geschehen würde. Zwischen nüchterner Verzweifeltheit und besoffenem, zerebralen Brechdurchfall war die Küste des kognitiven Exitus früher erreicht als gedacht, urplötzlich war sie hinter dem vernebelten Cortex Stultus Major aufgetaucht und wir schneller gestranded, ach was, an ihren Klippen zerschellt, schneller als wir Prost sagen konnten.

Alles, was man nach dem Drücken des Resetknopfes zu hoffen wagen darf, ist, dass die Genese der Genesung ausreichend Zeit in Anspruch nimmt um den temporalen Abstand zwischen dem Gestern und dem Unbestimmt auf das ersträgliche Maß mindestens einer kleinen Kluft anwachsen zu lassen. Doch solange sind wir nur Streichhölzer in einem Ozean der Dunkelheit, bis ein diffus halbgnädiges Schicksal uns selbstvergessen an ein eben gnädiges Ufer der Flachheit und neuer halbtrockener Reibeflächen trägt, bis alles wieder von vorn beginnt.

Die Sterne sind alle ziemlich weit oben, und es ist meistens einfacher sich an sie zu erinnern als den Blick zu heben.

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