„Willkommen“

10. Oktober 2014 at 12:08 (Spezifisch) ()

Die Idee, dass Windows mich willkommen heißt, wenn ich es starte, muss der Zeit der Mainframes entspringen, als der Mensch die Maschine von seiner Firma zur Verfügung gestellt bekam und sich am besten noch per Thin Client einloggte. Vor dem Hintergrund kann man einen gewissen Sinn darin erkennen, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer an seiner Arbeitsstätte willkommen heißt. Eine Portion amerikanischer Unverbindlichkeit schwingt da schon mit, so authentisch wie das Lächeln und die Hilfsbereitschaft der Supermarktverkäufer. „Welcome to our shop, how may I help you, have a great day“.

Das mag plausibel erscheinen, aber die Tage der Mainframes sind vorbei. Wenn hier heute überhaupt einer einen willkommen heißen könnte, dann ich mein Betriebssystem, denn es läuft auf meiner Hardware, ich habe es installiert und ich habe es soeben eingeschaltet. Das „Willkommen“ ist da ungefähr so, wie wenn ich mich begrüße, wenn ich meine eigene Wohnung betrete. „Guten Tag, willkommen zu Hause, du, schön, dass ich hier bin“. Vermutlich tun die Wenigsten das. Außer Microsoft Interfacedesignern. Bei denen hat die Wohnungsbaugesellschaft im Eingangsbereich ein dickes Schild in die Wand zementiert, auf dem „Willkommen“ steht, und dieses Zeichen von Selbstbestimmtheit, Individualismus und Kreativität wird heute von Millionen von Menschen jeden Tag aufs Neue gewohnheitsmäßig zur Kenntnis genommen, wenn sie ihre Computer einschalten. Fremde im eigenen Land.

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